Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
513
Einzelbild herunterladen
 

Tan

sich ganz in ihren Geschmak versetzen,und den scinigen verläugnen muß, umvier ähnliche Takte hervorzubringen.Jede Nation schildert sich, wie in denTanzen, so auch in den Tanzstüken.Es wäre für einen philosophischenTonsetzer eine wichtige Sammlung,Tanzstüke von allen Nationen zu ha-ben, ihre verschiedenen Wendungendes Gesanges und der Modulationoft in einerley AuSdruk, ihren ver-schiedenen Geschmak und verschie-dene Wartung, die sie im Ganzenauf ihn machen, zu beobachten, unddadurch sowol seine Kenntnisse zu er-weitern, als auch richtige Schlüssedaraus auf den Charakter und dieSitten der Nation selbst zu ziehen.Es wäre zu wünschen, daß jeder Ton-setzer alle fremde und unbekannteTanzstüke, deren er habhaft werdenkönnte, durch den Druk allgemeinmachte. Mancher Tanz würde einemnachdenkenden Tonsctzer gewiß mehrNeues zeigen, und mehr zu lernengeben, als 8ei 8oruwe in dem aller»neuesten Geschmak.

Unter den europäischen Nationenhat die franzosische die mehrestenGattungen von Tanzstüken geliefert.Einige davon sind sehr allgemein ge-worden, vornehmlich die Menuet;andere sind weniger allgemein, undviele blos theatralisch. Unter diesengiebt es Tmizmelodien, die großeMannichfaltigkeit erfodern, wie die(chsoorins und die pnUeosiile. DieseMannichfaltigkeit ist eine reiche Quel-le von mancherlei) Gcmahldcn, dieder Tänzer vorstellen, und womit ereine Mannichfaltigkeit von Empfin-dungen ausdmkcn kann. Eine solcheTanzmelodie muß, wenn fie vollkom-men seyn zoll, einigermaßen demTänzer jede Bewegung an die Handgeben.

Da kcin Tanzstük ohne vollkomme-ne Regelmäßigkeit der Takte, der Ein-schnitte und des Rhythmus seynkann, so haben gute Tvnlehrer ihre

Vierree Theil.

Tau 5iz

Schüler allezeit hauptsächlich juTanpstüken verschiedener Art angehalten,damit sie sich in dem Mechanischendes Takts festsetzen, und ordentlichdenken lernen. Auch war es die Ge-wohnheit der älter» Tonsctzer, ihreSuiten, Partien und Ouvertüre»fast bloS aus Tanzstüken von verfchie«dener Art. bestehen zu lassen. DieSwar zugleich die beste Uebung im Vor-trag.. Die verschiedenen Taktarten?die mannichfaltigci! Einschnitte. diedeutlich marqüirt werden mußten»die jedem Tanzstäk eigene Bewegungund Schwere oder Leichtigkeit imVortrag; die mancherley Notengat,tungen, und die Mannichfaltigkeitder Charaktere und des AuSdmks,übten die Spieler in den größtenSchwierigkeiten, und gewöhnten siean einen sprechenden, ausdruksvolle»und mannichfaltigcn Vortrag. Heutzu Tage werden die Tanzstüke zu sehrvernachlaßigct. Wie wenige find imStande, z. E. eine gute französischel^oure zu setzen, öder gut vorzutra»gen? Dieser Vernachläßigung ist «Shauptsächlich zuzuschreiben, daß un-sere heutigen Jnstrumentalstüke sichalle so ähnlich sehen, so arm an cha-rakteristischen Zügen» und so oft imRhythmus fehlerhaft sind, daß aus-ser den wenigen Formen, an die wieuns halten, und die doch im Grundaus Tanzstüken entstanden sind, kei-ne neue erfunden werden, und daßder ausdruksvolle Vortrag, der dieMusik zu einer leidenschaftliche»Sprache macht, so selten, und andessen Statt eine manierliche, gezierte,ohne Kraft und Nachdruk tändelndeArt vorzmragen, überhand genom-men hat.

Die Tanzstüke zu pantomimische»Tänzen sind von einer ganz besonderuGattung, und machen gleichsam de»Text oder die Worte aus, nach wel-chen der Tänzer seinen Gang undseine Gebehrden einrichtet; dahersie nicht so regelmäßig, als die an-Kk der»