Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
503
Einzelbild herunterladen
 

Tan

zusammengesetzten Fußboden, aufwelchem aller band regelmäßige, ausDrcy - oder Vierekeu bestehende Fi-guren zu sehen sind. Man brauchtnur zwey Arten von Holze vonzwcy verwandten Farben, einer Hel-lern und einer dunklem, um sehr vie-lerlei) Figuren auf dem Boden her-aus zu bringen. Wer sich hievoneinen Begriff machen will, kann dieAbhandlung des ParerTrüchcc überdie Combinationen nachsehen. *)

Ein gutes Tafelwerk des Fußbo-dens gicbt einem Zimmer ein schönesAnsehen; und es macht eine beson-dere Art des Vergnügens aus, wennman in einer Folge von Zimmern sosehr verschiedene regelmäßige Figu-ren auf dem Fußboden stehet, diedoch ans einerlei) Drei)- und Bicr-eken zusammengesetzt sind.

Tanz.

Acr Tanz ist, wie jedes andreWerk des Geschmaks, erst aus nn-überlcgtcm Trieb der Natur entstan-den, durch Geschmak und Genie aberallmahlig zu einem Werke der Kunsterhoben worden. Fröhlichkeit bringtihn überall hervor, wo sie sich ein-findet, so daß man kaum ein Volkauf dem Erdboden antrifft, das nichtseine Tanze der Fröhlichkeit hatte.Ob aber gleich der natürliche Tanzblos aus Freude und Fröhlichkeitentstehet, so schranket die Kunst sichnicht blos aufdicse Gattung ein, son-dern bedienet sich der ästhetischenKraft, die in Srellung und Bewe-gung des Körpers liegt, so weit, alssie reichen kann.

Nun ist offenbar, daß kaum et-was in dem sittlichen Charakter derMenschen vorkommt, das nicht durchStellung und Bewegung des Kör-

*) INemmiez Nir les cnmbmuiivnz parle It., ?. 1'rncker. (A> ^tem. clc I'r).c»cl. Itoy. ges Lciences^^our, I'r^n.nee 1704.

Tan ' 50z

pers verstandlich und lebhaft könnteausgebrükt werden. Deswegen istder Tanz in seiner Art eben so falsig,als Musik und die Rede selbst, zursittlichen und leidenschaftlichen Spra-che gebildet zu werden. Wie abernicht jede leidenschaftliche Rede einGedicht, noch jedcFolge leidenschaft-licher Töne ein Gesang ist, so ist auchnicht jeder Ausdruk der Empfindungdurch Gang und Gebehrdcn ein Tanz.Also müssen wir vor allen Dingenuntersuchen, wodurch ein solcherGang zum Tanz wird. Die Redewird durch Einheit des Inhalts undeinen abgemessenen Gang der Wortezum Gedicht; und eine Folge vonTönen wird ebenfalls durch den ab-gemessenen Gang und Einheit desTones zum Gesänge. *) Daher laßtsich schließen, daß auch Einheit desCharakters oder Ausdruks, mit abge-messener Bewegung oder mit Rhyth-mus verbunden, den Gang zum Tanzerhebe. Dieses bedarf keiner weitemAusführung, da es klar genug ist.

'Wir haben also bey jedem Tanzauf zwey Dinge zu sehen, auf denRhythmus, und auf den Charakter,oder den Ausdruk, in so fern er vondem Rhythmus unabhängig ist.Schon der Rhythmus allein ohneallen andern Ausdruk, kann der Be-wegung nicht nur etwas angenehmesund unterhaltendes, sondern auchetwas vom Ausdruk der Empfin-dung geben. Dieses ist ans dem,was wir über die Natur des Rhyth-mus angemerkt haben, offenbar.**)Also könnte schon in leblosen Kör-peru eine Bewegung statt haben, diedurch Takt und Rhythmus nicht nurschön und daher angenehm wäre,sondern auch verschiedene Charaktere,als Lebhaftigkeit, Ernst, Artigkeit,Hoheit und mehr dergleichen aus-drüktc. Wollte man diese ästhetischeI i 4 Kraft

*) S. Gesang.

") S. Rhythmus.