Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

44» ^ P k

auch der besten Art sie zu'beantwor-ten, hat uns Gexrus Lempiricu«^)aufbehalten, in dein Proccß, den einSchüler des Redners Rorax gegenseinen Lehrmeister angefangen, undder sich dadurch endigte, daß bcydeParthcycn von dem Richtstuhl weg-gejagt wurden.

Die Epitzfündigkcit ist einer derschlimmsten Fehler des Geistes. Sieverleitet den Spitzfündigcn, -sich über-all mir Rauch und Nebel, anstattwürklichcr und brauchbarer Begriffeund Gedanken zu beschässtigen, undsich gründlich zu dünken, wo er kaumdie Oberfläche der Dinge berühret.Er halt sich überall an den Schein derDinge, und dünkct sich groß damit.

Der spitzfündige Witz drechselt undschleift so lange an einem witzigeltEinfall, bis er ihm eine nicht mehrsichtbare Spitze gegeben hat, die keinMensch mehr fühlt, und nur eine ver-worrene Phantasie noch zu fühlenglaubet. Aber nirgend ist dieseSchwachheit oder Art von Narrheitgefährlicher, und Menschen von ge-rader Ark zu handeln anstößiger,als in praktischen Dingen,z die un-mittelbar auf Handlungen gehen.Denn da thut der Spitzfündige nie,was die grade gesunde Vernunft zuthun befiehlt; darum trifft er nie aufdcnZwck, auf den er doch immer zutreffen sich einbildet. Es sind un-serin Denken und Nachforschen ge-wisse Schranken gefetzt,! die man nichtüberschreiten kann, ohne sich ganz inSpitzfündigkeitcn zu verlieren. Wirmüssen gar oft bcy klaren Kegriffen,die wir unmittelbar als einfache Vor-stellungen empfinden, stehen bleiben,wenn es uns gleich dünkt, als soll-ten wir darin noch etwas cntwikelnmüssen. Werden unglüklichenHanghat, da, wo sein Gefühl klar spricht,noch weiter nachzugrübeln, ob erauch recht fühle, der verfällt in') ^äv. I.ib. n.

S P t

Spitzfündigkeitcn. So sagt uns einunmittelbares sehr klares Gefühl, daßwir dem, der Noch leidet, zu Hülfekommen sollen, und läßt keinenZweifel übrig. Aber der Spitzfün-dige findet da noch sehr vieles zu un-tersuchen und zu bedenken, und hilftentweder gar nicht, oder auf eine sokünstliche Weise, daß es eben sovielals nichts ist.

In Werken des Gcfchmaks sagtuns ein sehr kleres Gefühl gar ofte,daß etwas gut oder schlecht, oder daßgerade so viel zum Zwek hinreichendscy- Aber der Spitzfündige suchtnoch scheinbare, nicht mehr im Ge-fühl, sondern in einer verstiegenenPhantasie liegende Gründe, das Gutebesser, das Hinlängliche noch star-ker zn machen, oder das Schlechtezu vertheidigen.

Wir würden hier aber auch selbstuothwendig in Spitzfündigkeit gera-then, wenn wir unternehmen woll-ten, anzuzeigen, wo man sich mitden klaren Begriffen der gesundenVernunft, mit dem bestimmten Ge-fühl des Gcfchmaks und der Empfin-dung begnügen soll, ohne die Grün-de der Sachen weiter zu entwikeln,und wo man ohne Gefahr die Unter-suchung weiter treiben könne. Manmuß auch hier die Schranken empfin-den, weil sie sich nicht zeichnen lassen.Der einzige Rath, den man denen,die noch Gefühl haben, geben kann,ist dieser, daß sie, wenn sie sich inUntersuchungen und in Zergliederungder Sachen vertieft haben, den Er-folg, oder die Schlüsse, die sie her-ausgebracht, wieder gegen das, wassie vor der Untersuchung durch blosgenaue Aufmerksamkeit auf ihr Ge-fühl geurcheilt haben, hallen, undbcy dem geringsten Widerspruch, densie zwischen beyden cntdckcn, eherdem Gefühl, als der subtilen Unter-suchung trauen. Findet ihr, daßeuch ein Kiinstrichtcr etwas, das ihrHey guter Aufmerksamkeit auf alles

dazu