Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420 S o l

S o!

fcn zu lernen, doch gewiß vergrößertwird, weil seine Aufmerksamkeit vonden Intervallen abgezogen und aufdie Mutation der Sylben gerichtet,wenigstens dadurch getbcilet wird.

D>e Hauptabsicht des Solfeggi-rens, es geschehe nun auf welche Artes wolle, ist treffen zu lernen. Ichkann hier nicht umhin, kürzlich einerMethode zu erwähnen, die mir vorallen andern die bequemeste scheinet,um diese Absicht bey angebendenSängern glüklich und geschwind zuerreichen. Nachdem die Noten unddie auf-- und absteigende C dur undAmol! Tonleiter nach der gewöhnli-chen Benennung der Tone gefaßtsind, mache man dem Schüler einenBegriff von der Transposition dieserTon cirer in andre Tonarten, undder daher entstehenden Nothwendig-kcie der Verzeichnungen. Daraufwird der auf. und affsteigende Drey-klang eines jeden Moll - und .Durto-nes, der dem Gesauge nach sehr leichtzu lernen ist, gesungen, und derSchüler auf die in jedem Drcyklangenthaltenen Intervalle aufmerksamgemacht. In der Tonleiter und demDreyklang sind fast alle Intervalleeiner Tonart enthalten. Kleine Ex-empel, wo diese Intervalle um einenhalben Ton erhöhet oder erniedrigetvorkommen, üben den Schüler in denübrigen Intervallen. Jede Lectionwird endlich mit kleinen Singsiükcnüber Worte untermischt, damit derSchüler sogleich gewohnt werde, vonder einförmigen Benennung der Tö-ne zu abstrahiren. Diese Methodeempfiehlt sich dlirch ihre Einförmig-kesi und Gründlichkeit; auch wahrtes nicht lauge, daß nicht jeder auf-merksame Schüler, der nur einigesTalcne zum Siugcn hat, in maßigerBewegung alles vom Blatt treffenkomne.

Die Transwsition der Tonartenist allerdings das Schwercste in derSmgkunst. Mancher Sänger singt

in C dur alles vom Blatt, und würdein Hdur unsicher treffen, weil er mitdieser Tonart nicht bekannt genug ist;und doch singt er ein ihm bekanntesSingstük in jeder Tonart mit glei-cher Leichtigkeit. Diese Schwierig,keit könnte leicht gehoben werden,wenn bie Singcomponisten sich ge-fallen lassen wollten, die Singsiim-me eines Stüks', es gehe aus wel-chem To» es wolle, nach Art derWaldhörncrstimmen allezeit in C dur,oder wäre es eine Molltonart, inA moll zu transpouiren. Allenfallskonnte noch ein Schlüssel zu Hülfegenommen werden, um die zu violenNebenlinien unter und über ocmNs-tensystcm zu vermeiden. Der San-ger würde alsdann nur zwcy Tonar,ten und zwei) Schlüssel sich bekanntmachen dürfen, statt daß er, nach dergewöhnlichen Art zu schreiben, sich inzwölf harten und zwölf weichen Ton-arten festsetzen muß, wovon die luch-restcn ihm das Solfeggiren so sauermachen, daß ihm oft die Lust ver-geht, treffen zulernen, ob er gleichder Kunst zu singen nicht entsagt.Daher sind so viele Sänger von Pro-fession, die zur Schande der Kunsturw der großmüthigcn Belohnung oftnicht eine Terz vom Blatt zu singenim Stande sind.

Singstüke ohne Worte, diebloszum Solfeggiren gemacht, und zurUebung der Singstimmc und desTreffens dienen, werden Golfszgigeuennct.

Solmisation.

(Musik.)

^nter dieser Benennung verstehetman die Methobe, nach den sechsAretinischen Sylbcn ut re ml Ca l'olis zu solfeggiren.

Guido von Are55o, ein eifrigerReformator der Musik seiner Zeit,führte im Anfang des eilften Jahr-hunderts ein System von zwei) und

zwau-