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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
384
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zu verbinden, die den Gegenstand

der Leidenschaft schildern, einen sogroßen Vorzug, daß dieSingstimmein allen Tonstüken, wo sie vorkömmt,mit Recht die Hauptstimme ist, derdie Instrumente nur zur Begleitungdienen. Wer daher eine vollkommengute Smgstmime sehen kann, kanndas Vornehmste in der Musik. Soleicht dieses aber zu senil scheinet,wenn man eine Graunisehe Smgstim-me ansieht, so viel Schulen müssendoch vorher durchgegangen werden,ehe man die Kunst so in seiner Ge-walt hat, daß man den Zwang derWorte nicht mehr fühlet, und sie ineinem fließenden leichten Gesangauszudrüken im Stande ist, der die-selbe rhythmische Abthciiung, unddenselben Ton und Charakter habe,die in den Worten liegen. Wer nichtselbst singen kann, und von Namreinen fließenden schönen Gesang lindfeines Gefühl hat, ob er gleich Con-cerre, Fugen und Contrapunktc zumachen im Stande seyn würde, derist zur Singcomposition untüchtig.Seine Singstimme wird eher dasAnsehen einesEolfeggio zur Uebung,als eines leidenschaftlichen Gesangeshaben, und seine Melodie entwedersteif oder gemein seyn. Zur Sing-stimme taugt nur fließender, aus-druksvoller, mit den Worten über-einstimmender Gesang; dies aber istnicht Jedermanns Sache. Wer dar.in glüklich seyn will, muß außer denKünsten des Satzes das Singen selbstwie Graun und Hasse völlig in seinerGewalt haben. Außer dem aber wirdeine gute Kenntniß der Sprache, derProsodie rmd der metrischen Einrich-tung des Textes ersodert. Denn esist ungemein anstößig, wenn auchnur hier und da in einzeln Stellendie metrische und rhythmische Be-schaffenheit des Gesanges der, die imTexte liegt, widerspricht. Im fol-genden Artikel wird dieses ausführ-licher gczciget.

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Singst ü k.

Diesen Namen gicbt man allen Ton-stüken , worin eine oder mehrereSingstiinmen vorkommen, sie mögenvon Instrumenten begleitet sehn, odernicht. Die Singstimme ist in diesenSinken die Hauptstimme; auf wel-che der Tonfttzer sein ganzes Augen-merk richten muß. Aber nicht jedemist es gegeben, in Singstüken glüklichzu seyn; am wenigsten denen, dieselbst nicht singen können, noch dasSingende in ihrer Gewalt haben.Denn hier kömmt es nicht bios aufharmonische Kenntnisse und auf denreinen Satz allein an, nicht blos aufErfindung und richtige Anordnungmancher Satze, damit sie ein wol-klingendeö Ganzes ausmachen, nichtaufkünsciichaugcbrachteConrrapunk-tc, sondern auf einen mit Kunst undGcschmak gesetzten fließenden Gesang:alles, wodurch ein Jnsirumciital-componisi sich hervorlhun kann, isteinem Singcomponisten, der unsrühren soll, noch nicht hinlänglich.Er muß überdem ein vorzüglich em-pfindsames Herz haken, das allenleidenschaftlichen Eindrükcn offensteht; er muß ein Beobachter dermenschlichen Leidenschaften seyn, insofern jede sich durch ihren eigenenTon und durch die Gemüthsbewe-gungcn, die sie hervordringt, äus-sert; er muß im Stande seyn, die-sen Ton und jede Gemüthsbewegungin den Worten, über welche er setzensoll, genau zn entdeken, und sodeutlich in dem Gesang auszudrü-ken, daß seine Melodie zu einer lei-denschaftlichen Sprache werde, inwelcher kein Satz, keine Fortschrei-tuiig, kein Ton befindlich, der nicht,wie von der Leidenschaft erzeugt, dasiehe, die überdem ein regelmäßigesGanzes sey, dem die Worte nichtden geringsten Zwang aiithun; ermuß auch noch ein vollkommenerDeclamator seyn, und Hauptworte

von