denn alsdann zeigte er eine Reihe ganz kleiner weißer Zähnchen, die eher wieFischgräte aussahen. Auch mißfiel mir, daß er große goldene Ohrringe trug.Er hatte die sonderbare Gewohnheit, alle Tage in seiner Wohnung die Aufstellungder Möbel zu verändern, und wenn man ihm zu kam, fand man ihn entwederbeschäftigt, die Kommode an die Stelle des Bettes oder den Schreibtisch an dieStelle des Sofas zu setzen.
Der kleine Simson bildete in dieser Beziehung den ängstlichsten Gegensatz.Er konnte nicht leiden, daß man in seinem Zimmer das Mindeste verrückte; erwurde sichtbar unruhig, wenn man dort auch mir das Mindeste, sei es auch nureine Lichtschere, zur Hand nahm. Alles mußte liegen bleiben, wie es lag. Dennseine Möbel und sonstige Effekten dienten ihm als Hilfsmittel, nach den Vor-schriften der Mnemonik allerlei historische Daten oder philosophische Sätze inseinem Gedächtnisse zu fixieren. Als einst die Hausmagd in seiner Abwesenheiteinen alten Kasten aus seinem Zimmer fortgeschafft und seine Hemde undStrümpfe aus den Schubladen der Kommode genommen, um sie waschen zulassen: da war er untröstlich, als er nach Hause kam, und er behauptete: er wissejetzt gar nichts mehr von der assyrischen Geschichte, und alle seine Beweisefür die Unsterblichkeit der Seele, die er so mühsam in den verschiedenen Schub-laden ganz systematisch geordnet, seien jetzt in die Wäsche gegeben.
Zu den Originalen, die ich in Leiden kennen gelernt, gehört auch Mynheervan der Pissen, ein Vetter van Moeulens, der mich bei ihm eingeführt. Er warProfessor der Theologie an der Universität, und ich hörte bei ihm das HoheliedSalomonis und die Offenbarung Johannis. Er war ein schöner blühender Mann,etwa- fünfunddreißig Jahr alt, und auf dem Katheder sehr ernst und gesetzt.Als ich ihn aber einst besuchen wollte und in seinem Wohnzimmer niemandenfand, sah ich durch die halbgeöffnete Tür eines Seitenkabinetts ein gar merk-würdiges Schauspiel. Dieses Kabinett war halb chinesisch, halb pompadourischfranzösisch verziert; an den Wänden goldig schillernde Damasttapeten; auf demBoden der kostbarste persische Teppich; überall wunderliche Porzellanpagoden,Spielsachen von Perlmutter, Blumen, Straußfedern und Edelsteine; die Sesselvon rotem Sammet mit Goldtroddeln und darunter ein besonders erhöhter Sessel,der wie ein Thron aussah, und worauf ein kleines Mädchen saß, das etwa dreiJahr alt sein mochte und in blauem Silber gestickten Atlas, 'jedoch sehr altfränkisch,64