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Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky
Entstehung
Seite
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lauter gute Bürger, ehrsame Hausväter, die sich nicht verstellen können undniemanden täuschen, Männer, die das Theater zum Gotteshause machen, indemsie den Unglücklichen, der an der Menschheit verzweifelt, aufs wirksamste über-zeugen, daß nicht alles in der Welt eitle Heuchelei und Verstellung ist.

Bei Aufzählung der Merkwürdigkeiten der Republik Hamburg kann ich nichtumhin, zu erwähnen, daß zu meiner Zeit der Apollosaal auf der Drehbahn sehrbrillant war. Jetzt ist er sehr heruntergekommen, und es werden dort philharmo-nische Konzerte gegeben, Taschenspielerkünste gezeigt und Naturforscher gefüttert.Einst war es anders! Es schmetterten die Trompeten, es wirbelten die Pauken,es flatterten die Strauß federn, und Heloise und Minka rannten durch die Reihender Oginskipolonäse, und alles war sehr anständig. Schöne Zeit, wo mir dasGlück lächelte! Und das Glück hieß Heloise! Es war ein süßes, liebes, beglücken-des Glück mit Rosenwangen, Liliennäschen, heißduftigen Nelkenlippen, Augenwie der blaue Bergsee, aber etwas Dummheit lag auf der Stirne wie ein trüberWolkenflor über einer prangenden Frühlingslandschaft Sie war schlank wieeine Pappel und lebhaft wie ein Vogel, und ihre Haut war so zart, daß sie zwölfTage geschwollen blieb durch den Stich einer Haarnadel. Ihr Schmollen, alsich sie gestochen hatte, dauerte aber nur zwölf Sekunden, und dann lächeltesie schöne Zeit, als das Glück mir lächelte! Minka lächelte seltener, denn siehatte keine schöne Zähne. Desto schöner aber waren ihre Tränen, wenn sieweinte, und sie weinte bei jedem fremden Unglück, und sie war wohltätig überalle Begriffe. Den Armen gab sie ihren letzten Schilling; sie war sogar oft in derLage, wo sie ihr letztes Hemd weggab, wenn man es verlangte. Sie war so seelengut.Sie konnte nichts abschlagen, ausgenommen ihr Wasser. Dieser weiche, nach-giebige Charakter kontrastierte gar lieblich mit ihrer äußeren Erscheinung. Einekühne, junonische Gestalt; weißer, frecher Nacken, umringelt von wilden, schwarzenLocken wie von wollüstigen Schlangen; Augen, die unter ihren düsteren Sieges-bogen so weltbeherrschend strahlten; purpurstolze, hochgewölbte Lippen; mar-morne, gebietende Hände, worauf leider einige Sommersprossen; auch hatte sie,in der Form eines kleinen Dolchs, ein braunes Muttermal an der linken Hüfte.

Wenn ich dich in sogenannte schlechte Gesellschaft gebracht, lieber Leser,so tröste dich damit, daß sie dir wenigstens nicht so viel gekostet wie mir. Dochwird es später in diesem Buche nicht an idealischen Frauenspersonen fehlen,

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