Padua, später in Toscaua lebte, gab im Jahre 1669 eine Schriftunter dem Titel heraus: Do 8c»Iill» intra 8<,li<lum eantento im-tui-aUtm-, worin er den Ansichten des Colonna vollkommen bei-trat, und sie durch neue Thatsachen über allen Zweifel zu erhebensuchte. Er verglich die versteinerten Muscheln mit den ihnen ähnli-chen lebenden Speeles, und zeigrc, daß fossile Muscheln sich vorfändenvon dem einfach mineralisirten Zustande an bis zur vollkommenstenVersteinerung. Er bewies durch Secirung eines im mittelländischenMeere gefangenen Haies, daß unter den fossilen Fischzähncn eineArt solchen Haien angehört haben müsse. Ebenso behauptete er, daßdie fossilen Pflanzen von einst lebenden Organismen herstammten,und daß sich nachweisen lasse, welche Stcinschichten sich im Meere,und welche sich in Flüssen gebildet haben. Auch war es ihm wohlbekannt, daß das ältere Gebirge aus steil ansteigenden Schichten,hingegen die muschclführendcn Gebirge aus mehr horizontal liegen-den Lagern beständen. Toscaua, meint er, sei durch einen sechs-fachen Zustand gegangen, und diese Veränderungen seien durchUcbcrschwcmmungen, Erdbeben und unterirdische Feuer hervorgebrachtworden, lim dieselbe Zeit (1676) gab Scilla, ein sicilianischerMaler, ein Werk in lateinischer Sprache mit Abbildungen über dieVersteinerungen in Calabricu heraus, das mit vielem Geist undgroßer Eleganz des Styls geschrieben sein soll, und welches vor-zugsweise gegen die noch immer nicht ganz ausgerottete irrige An-nahme, als hätten sich die Petresacten in den Gesteinen selbst ge-bildet, gerichtet ist. Es kann aber der Sieg für die wahre Ansichtum diese Zeit als entschieden angesehen werden, obgleich in Englandein 1>r. Plott noch im Jahre 1677, und ein gewisser Lister imfolgenden Jahre, in ihren naturhistorischeu Werken sich zu den älternHypothesen bekannten.
Es ist schon oben angeführt worden, daß selbst die einsichts-vollsten Naturkundigen bisher den Satz unangetastet ließen, dieNoah'sche Fluth habe allein die lebenden Organismen in das festeGestein begraben. Wie dies habe geschehen können, ließ man einst-weilen unerörtert. Es hat allen Anschein, als habe man damalsallein darum diese Lehre nicht bezweifeln mögen, um nicht zu schroffder herrschenden Meinung entgegen zu treten, vielleicht auch, umnicht die Strenge der Kirche gegen sich aufzuregen. Als nun abereinmal zugegeben worden war, daß die Petresacten wirklich vonaußen in die Gesteine gekommen seien, erhoben sich manche Zweifeldagegen, daß dies die Wirkung einer einzigen Fluth habe sein kön-nen. Von der einen Seite erschienen von nun an Schriften, wel-che die Möglichkeit einer solchen Wirkung nachzuweisen suchten; dieseveranlassten Gegenschriften, und was das bcßte war, immer ge-nauere Untersuchungen der Gebirgs-Arten und ihrer Lagerungen.Dieser zweite Kampf der Meinungen dauerte bis gegen das ^ndedes 18. Jahrhunderts, also wiederum volle hundert Jahre, so daßes eines Zeitraums von 256 Jahren bedurft hat, um in den Na-turwissenschaften zwei Vorurtheilc zu beseitigen, die doch von so vie-
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