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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
385
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müsse; daß die ganze Kraft der Me-lodie allemal auf diesen Haupttöncnberuhe, und daß alle, durch die so-genannten Diminunoncn, oder Bre-chung dieses Tones, hineingekomme-ne Tone, als bloße Auszicrungcn die-ses Haupttones anzusehen sind. Danun alles, was mit Zierrathcn über-laden ist, den guten Geschmak belei-diget, so ist auch von der mitNcbeu-töneu überladenen Melodie dasselbeUrthcil zu fallen.

Zu der Einfalt der Melodie rechnenwir auch noch dieses, daß dieselbedurch die begleitenden Stimmen nichtverdunkelt werde. Man wird finden,daß jeder Tanzer lieber und leichternach einer Melodie tanzt, die nichtdurch mehrere Mittelstiminen verdun-kelt wird. Dieses beweiset, daß dieMittelstimmen dem Gesang seine Faß-lichkcit benehmen können. Dahertrifft man in altern Werken, wiez. B. in Handels Opern, viel Arienan, die keine andre Begleitung, alsden Baß haben. Diese nehmen sichunstreitig am besten aus: aber derSanger muß seiner Kunst alsdcnngewiß seyn. Es giebt freylich Falle,wo selbst rauschende Mittelstimmennothwendigsind, wie z.B. wenn derAusdruk wild und rauschend seynmuß, die Melodie aber in einem ho-hen Discant sieht: da thnn sehr ge-schwind rauschende Tone der Violi-nen in den begleitenden Stimmen dieWürkung, die von der dünnen Stim-me des Sangers nicht konnte erwar-tet werden.

Aber darin mnß der Tonsetzer auchdie Einfalt der Melodie nicht suchen,daß er die Singestimme imUnisonusvon Flöten, Violinen oder andernInstrumenten begleiten laßt. Diesesist vcrmuthlich schwacher Sanger hal-ber aufgekommen, welche ohne solcheHülfe die Melodie nicht treffen wür-den. Auch will man durch Empfeh-lung der Einfalt eben nicht sagen, daßman etliche Takte nach einander ganzDritter Thcil.

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einförmig seyn, oder allezeit nur die

Töne setzen soll, die schlechterdingswesentlich sind. Es würde auf dieseWeise dem Gesang an der so nöthigcnAbwechslung und Mannichsalrigkcitfehlen: wiewol man auch in Tonstü-ken großer Meister bisweilen Folgenvon Takten antrifft, da dieselben To»ne wiederholt werden. Alsdeun aberwird durch dieMannichfaltigkeit derHarmonie und viel schöne Modulatio»neu, die Abwechslung, die der Melo-die zu fehlen scheinet, hervorgebracht,welches auch bcy lange aushaltcndcnTönen zu beobachten ist.

V- Nun bleibet uns noch übrig,von der fünften Eigenschaft einer gu-ten Melodie zu sprechen, wenn siewürklich zum Singen, oder wie mausich ausdrükt, über einen Text ge-macht wird.

Daß der Ausdruk des Gesangesmit dem, der in dem Text herrschet,übereinkommen müsse, verstehet sichvon selbst. Deswegen ist das erste,was der Tonsetzer zu thun hat, die-ses, daß er die eigentliche Art derEmpfindung, die im Texte liegt, undso viel möglich, den Grad derselbenbestimmt fühle; daß er suche sich ge-rade in die Empfindung zu setzen, dieden Dichter beherrscht hat, da erschrieb. Er muß zu dem Ende bis-weilen den Text oft lesen, und dieGelegenheit, wozu er gemacht ist, sichso bestimmt als möglich ist, vorstellen.Ist er sicher die eigentliche Gcmüths«faffung, die der Text erfodert, ge-troffen zu haben, so versucht er ihnauf das richtigste und nachdrüklichstezudeclamiren. Eine schwere Kunst"),die dem Tonsetzer höchst nöchig ist.Alsdcnn suche er vor allen Dingen inder Melodie die vollkommenste Decla-mation zu treffen. Denn Fehler ge-gen den Vortrag der Wörter gehörenunter die wichtigsten Fehler des Sa-tzes. Er bemerke genau die Worie

und

S. Vertrag in redenden Künsten.

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