»76 Leh
Selbst einige besondere, für dasmenschliche Geschlecht höchst wichtigeWahrheiten, von der göttlichen Ober-herrschaft über die Welt, von derUnsterblichkeit der Seele, von derWichtigkeit der Religion, sind zwarvon einigen neuern Dichtern behan-delt worden; aber noch gar nicht indem Maaße, daß man damit zufrie-den scyn könnte. Hier ist also fürdie Dichter noch ein überaus frucht-bares Feld, wie ganz neu zu bear-beiten. Um so viel mehr ist zn wün-schen , daß die Kunstrichter nicht soschnell seyn möchten, unsren jungenDichtern, die in verschiedenen Klei-nigkeiten ein schönes dichterischesGenie gezcigct haben, durch gar zuungemesscncs Lob die Einbildung ein-zuflößen , als ob sie itzt schon in dasVerzeichniß der großen Dichter gehö-ren, >die durch ihre Gesänge sich umdas menschliche Geschlecht verdientgemacht haben. Dies ist eben so viel,als wenn man einen jungen Philoso-phen deswegen, daß er etwa einemetaphysische Erklärung richtiger alsandre gegeben, oder einige Satzegründlicher, als bis dahin geschehenist, bewiesen hatte, neben Leibnitzen,oder Wolfen stellen wollte. Wer hi-storische Nachrichten und verschiedenekritische Bemerkungen über alle Lehr-gedichte der Alten und der Neuemzu haben wünschet, wird auf HerrnDuschens Briefe zur Bildung desEcschmaks verwiesen.
Die Alten hatten die Gewohnheit,der auch die meisten Neuern gefol-get sind, ihre Lehrgedichte allemal je-manden zuzuschreiben, und Gerwinshalt dieses so gar für nothwendig,ezuia prseceptum er cioäkoris er eis.seipuliperionamreguirit. AberVir-gil hat gewiß den Mäcenas nicht fürftinen Schüler angesehen.
Zu dem Lehrgedichte können auchdie Satyren und die lehrenden Odenund Lieder gerechnet werden» davon
Le h
aber wird in den besondern Artikelnüber ihre Gattung gesprochen.
-5- -5.
Von dem Lehrgedichte handeln, vonfra »5oflselien Schriftstellern, unter an-dern Gull. Testetet ( llilc. eis Is Woesteinorale 1657.) — Oubos, im ytc»Abfchn. des iten Bds. S. 6>r f. ltestex.cric. Dcesdn. Ausg. (Wie die dogmati-schen Gegenstände intressant zu machensind.) — Battcux ini vierten Abschnittedes zmcyten Theiles seiner Einleitung,Bd. z. S. 12z. 4te Auslage. — LouisRacine in dem ?tcn Kap. seiner rellex.tur is poolie, und zwar von der didacti«scheu Poesie überhaupt, von der Einför-migkeit, welche man den Lehrgedichtenvorwirft, und von der Fietion darin. —Marmontel im sotcnKap. der poericzue,Bd. z. S. 52z. — Oilc. lue le Poemepkllos. im qten Bd. S. 547 dcr Vgrlecesticer. der Herren Arnaud und Suard,Par. 1769. is. — Oer ite Art. des ztcnKap. im -tenBd. S. >Z8. von OomaironPeine, gen. eler dellez lcccres, par,178;. 12.2 V.— — Von engli-schen Schriftstellern: Orr Lllz^on Vir-ßil'5 Qeorgile-, welcher sich vor derDrv«dcnschcn Uebcrsetzung derselben befindet,enthält einige ganz gute, allgemeine Be-merkungen über Plan und Darstellung desLehrgedichtes. Eine Oillercarion onOiclsätic poerry, von Warton, ist beyder im I. 175z erschienenen Uebcrsetzungdes Virgils befindlich. —> Trapp, in deriztcn seiner I.etiure8, S. >87. Ausgabevon 174-.— Newberry, in dem igtenKap. seiner /irr e>k poecrz- on a nervPlan, Vd. 1. S. >56. — Oer iteTheilder goten I-ech des Hrn. Blair, Bd. 2.
S. zSi u. f. Von deutschen
Schriftstellern: Briefe zur Bildung desGcschnmckcs, Brcsl.-i/i^ - 177z. 8. 6 Bd.Neue Auflage ,77z u. f. bis jetzt z Bd.von I. I. Dusch. — Das ;le Haupt,stück in I. I. Engels Anfangsgründen ci-ncr Theorie der Lichtungöartcn, Berk.>?8Z. 8. S.8? u.f. — A. W. Eberhardin seiner Theorie §. 119. S. i;8 u. f. —
J..J.