Kup
ler, die, ohne viel Zeichnung zu be-sinn , blos durch die Fertigkeit imGrabstichel Ruhm erworben haben,nicht irre machen lassen. Der sicher-ste Weg in seiner Kunst groß zu wer-den ist doch der, der durch die ganzeKunst der Zeichnung geht. Wer ge-lernt hat, mit dem Bleystift oderder Feder jeden Gegenstand in seinemnaturlichen Charakter auszudrükcn,dem wird hernach die Arbeit mitdem Grabstichel nicht mehr großeSchwierigkeiten machen.
Eine einzige Anmerkung wird hin-länglich seyn die Notwendigkeit ei-ner langen Uebung im Zeichnen znbeweisen. Man kann als ausge-macht annehmen, daß der Kupfer,stechcr, der ein Geinahlde in Kupferbringen will, fast keine einzige Stelledesselben so behandeln kann, wie dieandere. Die Betrachtung eines ein-zigen guten Kupferstichs wird jedenhinlänglich davon überzeugen. Willder angehende Künstler die Art derBehandlung, die jedem Gegenstandvorzüglich angeniesten ist, durch Füh-rung des Grabstichels lernen, dersehr langsam und zum Thcil mitFurcht arbeitet: so wird sein ganzesLeben kaum hinreichen, das zu fin-den, was er sucht. Mit dem Bley-stift und der Feder geht die Arbeit ge-schwind von statten; sieht man, daßeine Behandlung für gewisse Gegen-stände nicht schiklich genug ist, sokann! man fünfzig andre versuchen,che man mit dem Grabstichel zweyer-lcy Manieren versucht hat.
Wahrender Zeit, daß der künftigeStecher sich im Zeichnen übet, kanner auch schon die ersten Ucbungen mitdem Grabstichel vornehmen, um sicheine feste Hand und einen freyenStich anzugewöhnen. Mit den Ue-bungen, die vorzüglich bestimmtsind, nach Gemähldcn und nach derNatur zu zeichnen, kann das Lernenaller Arten der geraden und krum-men Stiche, alier Schraffirungen,
K u p iri
aller Gattungen des tiefen und fla-chen, des harten und weichen Stichs,die gleichsam das Alphabet der Ku-pfcrstecherkunst ausmachen, verbun-den werden.
Ein hochstwichtiger Vortheil zurErlernung der Kunst wäre es, wennman eine von einem guten Meisteroder Kenner gemachte Sammlung derbesten Kupferstiche derjenigen Künst-ler bey der Hand hätte, durch welchedie Kunst würklich eine Vermehruugoder Vervollkommnung erhalten hat.Diese Sammlung müßte so gemachtseyn, daß jedes Blatt etwas Neuesenthielte, das bey der gegenwärtigenVollkommenheit der Kunst durchge-hends angenommen worden. DieseStüke müßten dem Schüler erklartwerden, damit er begreifen lernte,daß z. B. diese Behandlung am be-sten sey das Nakende in Figuren;die, das Glänzende der Metalle undseidenen Stoffe; diese eine leichteund warme, jene eine schwere undkalte Luft auszudrüken, u. s. f. Sobald die Hand des Schülers durchFührung des Grabstichels, Augeund Hand aber durch fleißiges Zeich-nen eine gewisse Fertigkeit erlangethaben, alsdann kann er anfangennach erwähnten Kupferstichen zu ar-beiten.
Wenn man bedenkt, daß der Ku-pferstecher zur Vorstellung der un-endlichen Verschiedenheit natürlicherDinge kein ander Mittel hat, alsschwarze Striche oder Punkte auf ei-nem weißen Grunde: so wird manbegreifen, was für erstaunlicheSchwierigkeiten die Kunst hat, undwas für Genie ist erfodert worden,die mannichfaltigen Mittel auszuden-ken , wodurch es den Erfindern ge-lungen ist, jede Sache natürlich dar-zustellen, und bcynahe die Farbender Gegenstände erreichen zu lassen.
In diesen großen Schwierigkeitenliegt der Grund, warum selten einKupferstecher in allen Theilen der
Kunst