Erster
Abschnitt,
Seit langer Zeit wusste man, dass die Temperaturdes siedenden Wassers, bei übrigens gleichen Umstän-den , von dem darauf lastenden Luftdrucke abhänge.So lange man über die Verdünstungsgesetze nicht imKlaren war, blieb diese Erscheinung reine Thatsache,zu deren Erklärung erst Ballon durch seine Untersu-chungen über die Verdünstung des Wassers und durchdie daraus abgeleiteten Gesetze den Schlüssel lieferte.Er zeigte zuerst, dass dem aus reinem Wasser ent-standenen Dunste ein von der Temperatur abhängigesMaximum der Spannkraft zukomme und dass diesesMaximum bei dem aus kochendem Wasser entstandenenDunste so gross, wie der darauf lastende Luftdruckist. Da nun der aus dem Wasser entstandene Dunstbei jener Temperatur, bei welcher er entstanden ist,das Maximum seiner Spannkraft besitzt und dieses sichnicht vergrössern lässt, wenn er bestehen und die Ver-dünstung fortdauern soll; so ist es begreiflich ^ dasszum Bestehen des Siedens unumgänglich erfordertwerde, dass der dabei entstehende Dunst eine solcheSpannkraft habe, welche dem Luftdrücke das Gleich-gewicht hält, Wodurch der Dunst im Stande ist, sichin der Luft zu verbreiten und dem nachkommendenDunste Platz zu machen. Es herrscht demnach zwi-schen der Temperatur bei welcher das Wasser siedet,und dem dabei Statt findenden Luftdrucke ein leicht zudurchblickender Zusammenhang: denn da die Dünstedes siedenden Wassers eine Spannkraft haben, welchedem Luftdrucke das Gleichgewicht hält, so wird, wenndieser abnimmt, die Spannkraft der Dünste und mit