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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
Entstehung
Seite
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gung, Vernunftgründe und frcye Wahl uns dazu bestimmen/sondern daß die Hauptguellen derselben aus einer Arr von Jn-stinct und aus Gewohnheit entspringen. Fast Key jeder unse-rer Überlegungen geht ein gewisses dunkles/ aber sehr mäch-tig bestimmendes Gefühl vorher/ das Menschen von glückli-cher, innerer Organisation nur selten trügt; das uns sicherersührr, als alle künstliche Vernunstschlüsse, und das uns gewohn-lich allein zu führen pflegt, da das, was wir Vernunstschlüssenennen, meistens nur spät nach jenem Gefühle eintritt undmehr dazu dient, jene erste Sensation zu controlliren. Diegütige Natur ließ es bey den Menschen nicht leicht auf die Ver-nunft allein ankommen, und der Trieb kömmt oft schon über uns,wenn wir mit dem schulgerechten Beweise und mit der eigentlichenEinsicht noch nicht zur Hälfte fertig sind. Das Brauchbarste inunserem Leben haben wir gewöhnlich von Niemand gelernt; eswohnt uns bey, und wir kamen dazu, ohne selbst recht zu wissen,auf welche Art. Am deutlichsten sehen wir dieses in jenen Dingen,in welchen wir eigentlich gar nichts, als eben auf diese Weise, sehen,ich meine, in unfern sogenannten hyperphysischen Wissenschaften.Denn besteht nicht z. B. unsere ganze Metaphysik eigentlich dochnur darin, uns dessen etwas deutlicher, oder wenn man lieberwill, etwas gelehrter bewußt zu seyu, was wir alle auch ohneMetaphysik schon längst gewußt haben?

Ein nicht minder kräftiger Hebel, als dieses insiinctartigeGefühl, ist aber auch, wie gesagt, die Gewohnheit. Eswürde gewiß sehr schlecht um uns stehen, wenn wir alles nur ausUberzeugung thun sollten, und wenn wir zu nichts früh schon ge-wöhnt würden. Gar vieles und vielleicht das Beste in jedem Men-schen ist nur durch eine beständige Gewohnheit von Kindheit anentstanden. Wenn unsere Erzieher, die der jungen so wie deralten Kinder, diese Wahrheit, die sie bisher wohl im Mundegeführt, aber demungeachtet noch nicht völlig begriffen haben,ganz einsehen und sie ins praktische Leben einführe» werden, sowird die moralische Welt eine ganz andere Gestalt anneh-men. Pascal, der diese Macht der Gewohnheit wohl kannte,äußert sich darüber in seinen bekannten pensöes auf folgende