merwährende Zeiten der Verachtung übergebenen Kaste der Pa-rias/ ja wenn man/ um nur bey uns selbst stehen zu bleiben/die Zeiten der Leibeigenschaft/oder der Inquisition oder derKreuz-züge zurückruft/ so kann man sich nur mit Mühe enthalten, indie bittersten Thronen und Vorwürfe über ein Geschlecht auszu-brechen, das sich vor allen andern Geschöpfen der Erde durch seineVernunft zu unterscheiden glaubt, und das durch bloße Meinun-gen, Vorurtheile und Gewohnheiten bis zu solchen entsetzlichenExtremen verleitet werden kann.
Übrigens wird man, bey einiger Aufmerksamkeit auf siebselbst, diejenigen Äußerungen, welche der bloßen Gewohnheitangehören, leicht von denjenigen unterscheiden, welche gleichsamaus der innern und eigenthümlichen Organisation eines jedenMenschen hervorgehen. Wir haben vielleicht sehr unrecht, zu sa-gen, daß die Thiere allein von der Natur mit Jnstinct versehenworden sind, da das, was jenem innern Organismus des Men-schen angehört, mit Recht denselben Namen erhalten soll. DieAnhänglichkeit der Mutter an ihren Säugling beruht so wenigauf bloßen Vernunftgründen, als die Anhänglichkeit an das an-dere Geschlecht, wie schon die große Macht beweist, welche dieseTriebe, selbst gegen die laute Summe der Vernunft, auf unsäußert. Ja bloße Ansichten und Meinungen, oft genug wieder-holt, graben sich so tief in das Innere des Menschen ein, das;sie, wie mehrere äußere körperliche Dispositionen, von dem Va-ter auf die Kinder sich vererben und von einer Generation zurandern verpflanzen. Durch bloße Erziehung und Mittheilungwird man diese sonderbaren Phänomene nicht erklären, da sie ganzeigentlich der innern Struetur des Menschen und so zu sagendem Knochensysteme seines geistigen Wesens angehören. Ich habeeine Familie gekannt, in welcher seit mehreren Generationen alleKinder, wenn sie die Zeit ihrer Pubertät erreichten, Schwärmerbis zum Wahnsinn wurden, während sie vor und nach dieser Pe-riode für die nüchternsten Menschen galten. Drey Töchter einerMutter, alle unbescholtene und wackere Frauen, die das Glückihrer Männer machten, hatten von ihrer Mutter die Sonderbar-keit geerbt, während den Zeiten ihrer Hoffnung jede Scheere,