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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
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bezeugen. Es ist möglich, daß die oft eben so unbesiegbareSympathie, die die Muskeln unseres Gesichtes verzieht, »venuwir einen andern lachen oder gähnen sehen, aus derselbenQuelle entspringt, die jene Erscheinungen hervorbringt. UnsereAugenlieder schließen sich schnell und unwillkührlich, beynahenoch ehe die Wirkung unsers Willens sie ereilt, vor einerplötzlich auffallenden Gefahr, und wir machen die Bewegung deSAusweichens vor einem uns begegnenden Hindernisse, wen» wirgleich noch weit von ihm entfernt sind, ja selbst zuweilen schonbcy der bloßen Erzählung einer ähnlichen Begebenheit. Warumist es manchen Menschen gefährlich, auf einem schmalen Stegeoder auf einem Brote zu gehen, das über einen Fluß oder einenAbgrund gelegt ist, während derselbe Mensch keinen Anstandnimmt, es zu betreten, wenn es auf ebenem Boden liegt?Manche andere, wenn sie in einer solchen Lage, oder auf derschmalen Mauer eines hohen Gebäudes stehen, fühlen ein bey-nahe unwiderstehliches Verlangen, sich von derselben herabzustür-zen, obschon sie sich zugleich vor den Folgen eines solchen Stur-zes entsetzen.

Die Erzählung großer und edler Thaten erregt nicht nurdie Begeisterung, sondern auch den Trieb der Nachahmung, be-sonders bey jungen Gemüthern, die für alle Eindrücke noch em-pfänglicher sind. Andere, weniger glücklich organisirte Menschen,werden von Criminal- und Räubergeschichten zu einer ähnlichenNacheiferung angereizt, und in dieser Beziehung ist die Be-kanntmachung solcher Geschichteit schon oft schädlich geworden. Hie-hcr gehört auch jene geheimnisvolle Verbindung der äußeren Ge-genstände und ihrer inneren Eindrücke, durch welche wir, wennwir nur einen derselben erfassen, sogleich auch alle übrigen, diemit jenen das erstemal sich gemeinschaftlich dargestellt haben, wie-der zurückrufen, und wir haben vielleicht sehr Unrecht, diese Er-scheinung bloß dem Gedächtnisse zuzuschreiben.

Der Eindruck, welchen wir nur durch einen einzigen unse-rer Sinne erhalten, ist gewöhnlich von demjenigen sehr verschie-den, der durch die Zusammenwirkung mehrerer Sinne entsieht.Der Staarblinde macht sich gleich nach der Operation gewiß eine