ganz andere Vorstellung von den ihn umgebenden Gegenstanden,so lange er sie blosi sehen kann, als wenn er spater dieselbenEindrücke auch durch den Sinn des Gefühls verdeutlicht und be-richtiget hat. Das Bild, welches jene Gegenstande auf der Netz-haut seines Auges entwerfen, bleibt immer dasselbe, aber dasinnere Bild, welches sich die Seele von jenem äußern Bildedes Auges macht, ist durch diese Berichtigung der übrigen Sinneein anderes geworden. Wir alle haben wahrscheinlich in den erstenJahren unserer Kindheit die Eindrücke unseres Gesichtes auf eineahnliche Weise durch das Gefühl berichtigen müssen, und wirsehen spater nur, wie uns früher dieses Gefühl zu sehen gelehrthat. Wo aber dieser letzte Sinn nicht hinreicht, bleiben vieledurch ihr ganzes Leben im Dunkeln. So können sich nur wenigeüberzeugen, das; die Gestirne des Himmels, weil sie sie nichtmit ihren Hände» erreichen können, in der That in einer uner-meßlichen Entfernung von uns abstehen. Zwey leuchtende Kugelnvon gleichein Durchmesser, aber in ungleicher Entfernung vonuns, werden uns in der Nacht ungleichgroß erscheinen; sobaldaber die Sonne über ihnen aufgeht und auch die zwischenliegen-den Gegenstände beleuchtet, wird sofort, in unserem Geiste, dienähere verkleinert und die anderen vergrößert, bis beyde, in un-serer Schätzung, als nahe gleich große Kugeln erscheinen. Soerscheint uns derselbe Mensch in der Entfernung von fünf odervon zehn Klaftern gleich groß, obschon in der That das Bilddesselben auf der Retina unseres Auges in dem einen Falle nocheinmal so groß ist, als in dem anderen. Aus einem ahnlichenGrunde erscheint uns der Mond in der Nahe des Horizonts, woso viele Zwischcngegenstande ihn von uns trennen, größer, alsim Zenithe, obschon er in der That, wie unsere Messungen zei-gen, im Zenithe größer ist. Eben so erscheint uns eine Spinne,die sich nahe vor unserem Auge von dem Zweige eines Bauniesherablaßt, auf dem ersten Bilde in der Größe eines Vogels,aber ivie man die Verbindung derselben mit dem Zweige erkennt,wird auch sofort der erste Eindruck jenes Bildes auf seine wahreGröße reduzirt. Alle diese und ahnliche Phänomene lassen sichweder, wie einige geglaubt haben, durch ihre Zurückführnng
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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
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