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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
Entstehung
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des achtzehnten Jahrhunderts diese Behauptung im vollen Ernsteauf/ und gerieth darüber in einen vieljährigen / heftigen Streitmir Marchetti, der diesen Satz für die Theologie sehr gefährlichhielt, da Grandi daraus die Schöpfung der Welt aus Nichts er-klären wollte. Der große Leibnitz/ der seiner lebhaften Einbil-dungskraft zuweilen mehr nachgab/ als man es von einem Geisteseiner Art und von einem Mathematiker erwarten sollte, suchtedie Sonderbarkeit jener Behauptung zu retten, indem er be-merkte, daß diese Reihe entweder Null oder die Einheit gebe,je nachdem man eine gerade oder eine ungerade Anzahl von denGliedern derselben summire, und da bei) einer unendlichen An-zahl von Gliedern der Unterschied zwischen Gerade und Ungeradeverschwinde, so müsse man in diesem Falle, nach den Regelnder Wahrscheinlichkeit, das Mittel jener beyden Resultate 0 undl, oder mit andern Worten, man müsse die Größe ^ für diewahre Summe dieser unendlichen Reihe annehmen. Ein offenbar sal-

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scher Schluß, da die Entwicklung des Bruches ^ ^

ebenfalls die Reihe 1x°-j-x^ x^-s-x^ und daher, wennxlist, ß und nicht ^ gibt, wie die Wahr-

scheinlichkeitsrechnung nach Leibnitz fordern soll. Die einfache Er-klärung dieses Paradoxons ist heute zu Tage zu allgemein bekannt,um hier noch umständlich angeführt zu werden.Derselbe Leibnitzglaubte in seiner Diatik, in welcher er alle Zahlen durch zwei)Ziffer v und 1 darstellte, ein getreues Bild der Schöpfung zu er-blicken, in welchem er den Schöpfer als die Einheit und dasNichts als das Zero darstellte, und diese Idee gesiel ihm so sehr,daß er sie dem Jesuiten Grimaldi, Präsidenten des mathemati-schen Tribunals in China, zuschickte, in der Hoffnung, durch die-ses Emblem der Schöpfung den Beherrscher und alle Bewohnerjenes Landes zu der Annahme des christlichen Glaubens zu bewe-gen. So weit können Vorurtheile und Illusionen der Einbil-dungskraft selbst solche Männer verleiten, wenn sie sich den An-lockungen derselben ohne Rückhalt hingeben.

Wir alle sind geneigt zu glauben, daß die Ordnung, wel-che wir selbst in der Aufeinanderfolge der Erscheinungen der Na-