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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
Entstehung
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die Analyse vermeiden wellen, ohne Weitläufigkeit nicht gut mit-rheilen läßt. Ans diesem Theoreme hat man dann die Folgerunggezogen, die man als ein allgemeines Gesetz ansehen kann:daß nämlich die anfangs meistens veränderlich und ganz zufäl-lig scheinenden Verhältnisse aller Naturereignisse sich immer mehreinem gewissen beständigen Verhältnisse nähern, je zahlreicherdiese Erscheinungen selbst sind. So sind, ungeachtet der Verän-derungen , welche einzelne Jahre hervorbringen mögen, die An-zahl der Geburten oder der Sterbefalle eines Landes oder einerStadt für einen bestimmten Zeitraum, wenn man sie aus einergrößeren Anzahl von Jahren ableitet, immer sehr nahe constantund dasselbe hat auch mit den Erzeugnissen eines Landes statt, sodaß die Vorsicht der Menschen sich von der Unregelmäßigkeit dereinzelnen Jahre unabhängig machen kann, wenn sie die Güterder Narur, die sie selbst von Jahr zu Jahr oft sehr ungleich aus-zurheilen scheint, aus mehrere Jahre zu gleichen Theilen zu ver-breiten sich bemüht. Selbst die Erscheinungen in der moralischenWelt scheinen sich diesem allgemeinen Gesetze unterzuordnen. Sowill man sogar die Erfahrung gemacht haben, daß in Paris undLondon die Anzahl der, wegen unvollständiger Adressen, aufden Posten zurückgebliebenen Briefe, jährlich immer nahe die-selbe ist.

Es scheint daher, daß bey einer längeren Reihe von Ereig-nissen derselbe» Art, die Wirkung der regelmäßigen und eonstan-ten Ursachen über die der unregelmäßigen eine Art von Uberge-wicht erhalten.

Die günstigen und glücklicher Weise noch oft genug wieder-kommenden Ereignisse, welche die Beobachtung der ewigen undunveränderlichen Gesetze der Vernunft, der Gerechtigkeit und derHumanität zu begleiten pflegen, zeigen uns, dem Einzelnen sogut als ganzen Völkerschaften, daß es immer vortheilhafcer ist,sich diesen Gesetzen unterzuordnen, als sich von ihnen zu entfer-nen. Unsere Weltgeschichte und unsere eigene Erfahrung unter-stützt diese Behauptung. Wer kann die glücklichen Folgen derVereinigungen längnen, die auf Vernunft und auf die natürli-chen Rechte der Menschheit gegründet sind, oder wer kann die