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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
Entstehung
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II

geil/ die eben dadurch andere, veränderliche Einflüsse mir derZeit überwiegen und so endlich selbst aus dem Schooße der Unord-nung und dem scheinbaren Chaos Systeme entwickeln, deren ein-fache Regelmäßigkeit so ost der Gegenstand unserer Bewunderungist. Alle Phänomene, selbst diejenigen, welche am meisten von demblinden Zufalle abzuhängen scheinen, zeigen also, wenn sie nuroft genug wiederholt werden, jene Neigung, sich immer mehrund mehr einem constanten Verhältnisse zu nähern und sich einembestimmten, meistens sehr einfachen Gesetze zu unterwerfen, auswelchem Gesetze, wenn es uns einmal mir hinlänglicher Genauig-keit bekannt ist, man dann auch die künftigen Erscheinungen die-ser Ereignisse bestimmen wird. Die Ursache dieses merkwürdigenUmstandes ist ohne Zweifel darin zu suchen, daß bey den, jeneErscheinungen erzeugenden Veranlassungen eine oder mehrere re-gelmäßig wirkende sind, welche mit der Zeit die andere» unregel-mäßigen, und sich gleichsam, zum Theil wenigstens, einander selbstaufhebenden Ursachen überwiegen und daher auch in regelmäßigenWirkungen sichtbar werden. Wenn die Ziehung und die Zurück-gabe der Kugeln in dem vorhergehenden Beyspiele nicht in derangeführten einfachen Ordnung statt hätte, sondern wenn manz. B. aus der 1., 4., 9- > . Urne 3, 5, 3.. Kugeln in die 3.,4., 7... Urne geben würde, so würde auch jene endliche Ord-nung der Verhältnisse der cheyden Farben nicht statthaben, abersie würde, wenn gleich vielleicht später, eintreten, wenn man so-wohl in der Zahl der zu ziehenden Kugeln, als auch in derWahl der Urnen irgend ein anderes Gesetz, z.B. das der sigurir-tcn Zahlen eintreten lassen wollte.

Diese sonderbare Erscheinung fällt vielleicht nur wenig auf,weil sie selbst bey alltäglichen Versuchen so ost wiederkommt undweil sie von dem gesunden Menschenverstände gleichsam schon alsein Axiom angenommen wird. Desto schwerer ist eS, einen tref-fenden Beweis derselben durch die Analyse zu geben. Auch thatsich Jacob Bernoulli, der zuerst einen solchen Beweis für dieseErscheinung gesunden hatte, nicht wenig darauf zu Gute. Erstin unser» Tagen hat Laplace eine andere und noch vollständigereDemonstration derselben gefunden, die Pich aber hier, wo wir