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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung in ihrer Anwendung auf das wissenschaftliche und practische Leben
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die Anzahl der unbekannten Großen, so wird eine Methodenochwendig, diejenigen Werths, welche allen diesen Beobach-tungen am besten entsprechen, d. h. die wahrscheinlichstenWerthe dieser Großen zu finden. Diese Untersuchungen lassensich, mir besonderen Modificarionen, beynahe auf alle Erschei-nungen der Natur, auf die Phänomene der physischen und selbstder moralischen Welt anwenden und sie werden ohne Zweifel,wenn diese Theorie selbst sowohl, als auch unsere ihr zu Grundeliegenden Erfahrungen eine größere Ausbildung erhalten haben,zu den wichtigsten und interessantesten Resultaten fuhren. Wirwollen es versuchen, in dem Folgenden wenigstens einige dersel-ben näher anzuzeigen.

Mitten unter den höchst veränderlichen und verwickelten,uns aber größtentheils unbekannten Ursachen der Erscheinungenin der Natur, welche Ursachen wir, eben wegen unserer Un-kenntnis; derselben, mir dem Namen des Zufalls bezeichnen,bemerken wir beynahe ohne Ausnahme, daß die Unregelmäßig-keit derselben in dem Maße abzunehme» scheint, wie sie öftervorkommen, daß also, wie die Erscheinungen selbst sich mulripli-ciren, eine Art von fester Ordnung in ihnen sichtbar wird, diewir denn auch meistens, vielleicht mit Unrecht, einer Art von,uns übrigens verborgener, Absich r zuschreiben. Um dieses sogleichdurch ein Beyspiel deutlich zu machen, wollen wir annehmen,daß eine Urne eine uns ganz unbekannte Anzahl von weißen undschwarzen Kugeln enthalte. Wenn man bey jedem Zuge eine der-selben herausnimmt und ihre Farbe bemerkt und sie dann wiederin die Urne zurücklegt, um eine neue Ziehung vorzunehmen, sowird bey den ersten Zügen das Verhältnis; der gezogenen weißenKugeln zu den gezogenen schwarzen sehr veränderlich und unre-gelmäßig seyn, aber je länger man diese Ziehungen fortsetzt, de-sto deutlicher wird man ein bestimmtes und constantes Verhältnis;dieser beyden Farben sich gestalten sehen, und dieses Verhältnisder gezogenen weißen und schwarzen Kugeln wird dem Ver-hältnisse der in der Urne enthaltenen weißen und schwarzenKugeln immer näher kommen, je größer die Anzahl der Ziehun-gen ist, so daß man endlich mir großer Wahrscheinlichkeit das