Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
178
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versucht. Bei den Phöniciern hat sich zwar ein sehr aus-gebildetes Colonial-System auf noch größere Räume als dasgriechische ausgedehnt, indem dasselbe, doch mit sehr großerUnterbrechung der Stationen, sich vom persischen Meer-busen bis Cerne an der Westküste von Afrika erstreckte.Kein Mutterland hat je eine Kolonie geschaffen, welche indem Grade mächtig erobernd und handelnd zugleich gewesenist, als es Karthago war. Aber Karthago stand trotz seinerGröße in geistiger Kultur und artistischer Bildsamkeit tiefunter dem, was in den griechischen Pflanzstädten so herr-lich und dauernd unter den edelsten Kunstfyrmen erblühte.

Vergessen wir nicht, daß gleichzeitig viele volkreichegriechische Städte in Kleinasien, im ägäischen Meere, inUnteritalien und Sicilien glänzten; daß, wie Karthago, soauch die Pflanzstädtc Miletus und Massilia andere Pflanz-städte gründeten; daß Syracus auf dem Gipfel seiner Machtgegen Athen und die Heere von Hannibal und Hamilkarkämpfte; daß Milet nach Tyrus und Karthago lange Zeitdie erste Handelsstadt der Welt war. Indem sich durchdie Thatkraft eines, in seinem Inneren oft erschüttertenVolkes ein so reich bewegtes Leben nach außen entfaltete,wurden, bei zunehmendem Wohlstande, durch die Verpflan-zung einheimischer Kultur überall neue Keime der geistigenNational-Entwicklung hervorgerufen. Das Band gemein-samer Sprache und Heiligthümer umfaßte die fernestenGlieder. Durch diese trat das kleine hellenische Mutterlandin die weiten Lebenskreise anderer Völker. Fremde Elementewurden aufgenommen, ohne dem Griechenthum etwas vonseinem großen und selbstständigen Charakter zu entziehen.Der Einfluß eines kontacts mit dem Orient und, über