70
an alle Gefahren, die m solchen Klimaten Wenige unterihnen getheilt) ja die Langsamkeit der Schiffahrt und derMangel an Verbindungsmitteln ließ die indischen Länder(so nannte man die ganze Tropen-Zone) wie in einer un-absehbaren Ferne erscheinen. Kolumbus 2 hatte noch nicht dasRecht gehabt der Königinn Jsabella zu schreiben: „die Erde istnicht gar groß, viel kleiner denn daS Volk cS wähnt".
In Hinsicht auf Komposition hatten demnach die ver-gessenen Reisen des Mittelalters, die wir hier schildern, beialler Dürftigkeit des Materials viele Vorzüge vor unserenmeisten neueren Reisen. Sie hatten die Einheit, welchejedes Kunstwerk erfordert: alles war an eine Handlunggeknüpft, allcö der Reisebegebenheit selbst untergeordnet.Das Interesse entstand aus der einfachen, lebendigen, meistfür glaubwürdig gehaltenen Erzählung überwundener Schwie-rigkeiten. Christliche Reisende, unbekannt mit dem, wasAraber, spanische Juden und buddhistische Missionare vorihnen gethan, rühmten sich alles zuerst gesehen und be-schrieben zu haben. Bei der Dunkelheit, in welche der Orientund Jnner-Asien gehüllt erschienen, vermehrte die Ferneselbst die Größe einzelner Gestalten. Eine solche Einheitder Komposition fehlt meist den neueren Reisen, besondersdenen, welche wissenschaftliche Zwecke verfolgen. Die Hand-lung steht dann den Beobachtungen nach, sie verschwindet inder Fülle derselben. Nur mühselige, wenn gleich wenig be-lehrende Bergbesteigungen und vor allem kühne Seefahrten,eigentliche Entdeckungsreisen in wenig erforschten Meeren oderder Aufenthalt in der schauervollen Oede der beeisten Polar-zonc gewähren ein dramatisches Interesse, wie die Mög-lichkeit einer individualisirendcn Darstellung. Die Einsamkeit