Druckschrift 
Kurzgefaßte Beschreibung des Mondes : Ein Auszug aus der größeren Selenographie
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

47

des Aristarcli in lichtstarken Fernrohren kaum zu ertragen. Mit Miilieunterscheidet man (denn nicht das Ringgehirge allein, sondern die ganzeinnere Fläche hat diesen Lichtglanz) den Centralberg als einen noch etwashelleren Punkt. Nächst Aristarcli ist Proclus das hellste Ringgehirge;allein hier glänzt nur der ziemlich schmale Wall in 9 0 Licht. — DieCentralbergc sind fast immer heller als die umgehenden Tiefen; oft istder Unterschied der Farbe sehr bedeutend, ohne dafs die Höhe sehr be-trächtlich wäre.

§. 52.

Zu den merkwürdigsten und unerklärlichsten Erscheinungen auf derMondfläche gehören aber die Strahlensysteme. Sieben gröfscre Ring-gebirge, Tycho, Copernicus, Kepler, Byrgius, Anaxngoras, Aristarcli undOlbers sind nämlich von radienartig sich ausbreitenden Lichtstreifen um-geben; in geringerm Mafsstabe und weniger ausgebildet, wiederholt sichdiese Erscheinung im Euler, Proclus, Aristilius, Timocharis, Meiielaus,Mayer und mehrern andern. Diese Streifen langen gewöhnlich erst ineiniger Entfernung vom Ringgehirge an, so dafs der stets sehr helle Walldesselben an seinem Fufse zunächst eine dunklere Umgebung hat (beimAristarch sehr dunkel = : 2°). Von da ab ziehen diese Streifen 30, 50,ja 100 Meilen und darüber in grader oder wenig gekrümmter Richtungfort, und zwar (was höchst merkwürdig ist) quer hin über Ebenen, Berg-ketten, einzelne Berge, Crater, Rillen, kurz über alle Mondgebilde ohneUnterschied, und ohne von ihnen unterbrochen oder auch nur modiflcirtzu werden. Die Objekte über welche sie hinziehen, und wären es diegewaltigsten und steilsten Wälle, sind in hoher Beleuchtung meist ganzunsichtbar, und man sieht nur diese alles überdeckende Streifen. In derNähe des Ringgebirges, auf welches sie sich als auf ihr Centrum bezie-hen, bilden sie gewöhnlich einen zusammenhängenden Nimbus (bei Kepleram stärksten, bei Aristarch gar nicht) weiterhin verzweigen sie sich, sinddurch Querstreifen verbunden, bilden einzelne Lichtknoten meist in derEbene, sind auch hin und wieder durch mattere Stellen unterbrochen.Auf den breiteren zieht sich zuweilen ein dunkler Streifen eine kurzeStrecke fort. In einigen Fällen enden sie plötzlich, etwa an einem Ring-gebirge, in den meisten allmählich; letzteres ist stets der Fall, wennsie den Rändern des Mondes zuziehen. — Das ausgedehnteste dieser Strei-fensysteme hat Tycho; man erkennt es im Vollmonde mit blofsen Augen.Mehr als 100 unterscheidbare Streifen von einer oder einigen Meilen Breiteziehen nach allen Seiten hin, erfüllen fast den ganzen südwestlichen Qua-dranten (der seine blendende Helligkeit hauptsächlich diesen Streifen ver-dankt), verbreiten sich aber auch in den südöstlichen und nordwestlichen.Zwei der Streifen, Tycho’s sind besonders zu merken. Der eine, sehrbreit und doppelt, mit dunklerem Zwischenraum, verliert sich nach150 Meilen langem Zuge im Mare Nubium und Oceanus Procellarum; derandre einfachere zieht fast über die ganze sichtbare Mondiläche, obwohlin sehr ungleicher Lichtstärke, trifft auf den Menelaus, wird im Mare