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Buch der Lieder
Seite
171
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Im Hafen.

Wie doch die Welt so traulich und lieblichIm Römerglas sich widerspiegelt,

Und wie der wogeude MikrokosmusSonnig hinabfließt ins durstige Herz!

Alles erblick' ich im Glas,

Alte und neue Völkergeschichte,

Türken und Griechen, Hegel und Gans,Zitronenwälder und Wachtparaden,

Berlin und Schilda und Tunis und Hamburg,Vor allem aber das Bild der Geliebten,Das Engelköpfchen auf Rheinweingoldgrund.

O, wie schön! wie schön bist du, Geliebte!Du bist wie eine Rose!

Nicht wie die Rose von Schiras,Die Hafis-besungene Nachtigallbraut;

Nicht wie die Rose von Snron,

Die Heiligrots, prophetengefeierte;

Du bist wie die Nos' im Ratskeller zu Bremen!Das ist die Rose der Rosen,

Je älter sie wird, je lieblicher blüht sie,

Und ihr himmlischer Duft, er hat mich beseligt,Er hat mich begeistert, er hat mich berauscht,Und hielt mich nicht fest, am Schöpfe fest.Der Natskellermeister von Bremen,

Ich wäre gepurzelt!

Der brave Mann! wir saßen beisammenUnd tranken wie Brüder,

Wir sprachen von hohen heimlichen Dingen,Wir seufzten und sanken uns in die Arme,Und er hat mich bekehrt zum Glauben der Liebe,Ich trank auf das Wohl meiner bittersten Feinde,Und allen schlechten Poeten vergab ich,

Wie einst mir selber vergeben soll werden,Ich weinte vor Andacht, und endlichErschlossen sich mir die Pforten des Heils,

Wo die zwölf Apostel, die heil'gen Stückfässer,Schweigend pred'gen, und doch so verständlichFür alle Völker.