Lyrisches Intermezzo.
Lyrisches Intermezzo.
(1822—1823.)
Prolog.
Es war 'mal ein Ritter trübselig und stumm,Mit hohlen, schneeweißen Wangen;Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,In dumpfen Träumen befangen.
Er war so hölzern, so täppisch, so links,Die Blümlein und Mägdlein, die kicherten rings,Wenn er stolpernd vorbeigegangen.
Oft saß er im finstersten Winkel zu Haus;Er hatt' sich vor Menschen verkrochen.Da streckte er sehnend die Arme aus,
Doch hat er kein Wörtlein gesprochen.
Kam aber die Mitternachtstunde heran,Ein seltsaines Singen und Klingen begann —An die Thüre da hört' er es pochen.
Da kommt seine Liebste geschlichen hereinIm rauschenden Wellenschaumkleide,
Sie blüht und glüht wie ein Röselein,Ihr Schleier ist eitel Geschmeide.
Goldlocken umspielen die schlanke Gestalt,Die Äuglein grüßen mit süßer Gewalt —In die Arme sinken sich beide.
Der Ritter umschlingt sie mit Liebesmacht,Der Hölzerne steht jetzt in Feuer,
Der Blasse errötet, der Träumer erwacht.Der Blöde wird freier und freier.
Sie aber, sie hat ihn gar schalkhaft geneckt,Sie hat ihm ganz leise den Kopf bedecktMit dem weißen, demantenen Schleier.