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Buch der Lieder
Seite
46
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Junge Leiden.

Sonette.

An A. W. von Schlegel.

Im Reifrockputz, mit Blumen reich verzieret,Schönpflästerchen nuf de» geschminkten Wringen,Mit Schnabelschuh'n, mit Stickerei'» behängen,Mit Turinfrisur, und wespengleich geschnüret:

So war die Aftermuse ausstaffieret,

Als sie einst kam, dich liebend zu umfangen;Du bist ihr aber aus dem Weg gegangen,Und irrtest fort, von dunklem Trieb geführet.

Da fandest du ein Schloß in alter Wildnis,Und drinnen lag, wie'n holdes Marmorbildnis,Die schönste Maid in Zauberschlaf versunken.

Doch wich der Zauber bald bei deinem Gruße,Aufwachte lächelnd Deutschlands echte Muse,Und sank in deine Arme liebestrunken.

Au meine Mutter B. Heine,

gebome von Geldern.

I.

Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zn tragen.Mein Sin» ist auch ein bißchen starr und zähe;Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,Ich würde nicht die Augen niederschlagen.

Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen:Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,In deiner selig süßen, trauten NäheErgreift mich oft ein demutvolles Zagen.

Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget.Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet,Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget?

Quält mich Erinnerung, daß ich verübetSo manche That, die dir das Herz betrübet?Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet!