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Buch der Lieder
Seite
164
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Die Nordsee.

5.

Der Gesang der Okeaniden.

Abendlich blasser wird es am Meer,

Und einsam, mit seiner einsamen Seele,

Sitzt dort ein Mann auf dem kahlen Strand,

Und schaut totkalten Blickes hinaufNach der weiten, totkalten Himmelswölbung,

Und schaut auf das weite, wogende Meer

Und über das weite, wogende MeerLüfteseglor ziehn seine Seufzer,

Und kehren zurück, trübselig,

Und hatten verschlossen gefunden das Herz,

Worin sie ankern wollten

Und er stöhnt so laut, daß die weißen Möwen,Aufgescheucht aus den sandigen Nestern,

Ihn herdenweis umflattern.

Und er spricht zu ihnen die lachenden Worte:

Schwarzbeinigts Vögel,

Mit weißen Flügeln, Meer-überflatternde,

Mit krummen Schnäbeln Seewasser-saufende,Und thranigtes Robbenfleisch -fressende,

Eu'r Leben ist bitter wie eure Nahrung!

Ich aber, der Glückliche, koste nur Süßes!

Ich koste den süßen Duft der Rose,Der Mondschein-gefütterten Nachtigallbraut!

Ich koste noch süßeres Zucksrbackwerk,

Gefüllt mit geschlagener Sahne;

Und das Allersüßeste kost' ich,

Süße Liebe und süßes Geliebtsein.

Sie liebt mich! sie liebt mich , die holde Jungfrau!Jetzt steht sie daheim am Erker des Hauses,

Und schaut in die Dämmrung hinaus auf die Landstraß',Und horcht und sehnt sich nach mir wahrhaftig!Vergebens späht sie umher und sie seufzet,

Und seufzend steigt sie hinab in den Garten, -Und wandelt in Duft und Mondschein,

Und spricht mit den Blumen, erzählet ihnen,