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Buch der Lieder
Seite
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Untergang der Sonne Z

Und scherzend halb und halb wehmütig

Versichert' er mir: die Sonne sei

Eine schöne Frau, die den alten Meergott

Aus Konvenienz geheiratet;

Des Tages über wandle sie freudig

Am hohe» Himmel, purpurgeputzt

Und diamantenblitzend,

Und allgeliebt und allbewundert

Von allen Weltkreaturen,

Und alle Weltkreaturen erfreuend

Mit ihres Blickes Licht und Wärme;

Aber des Abends, trostlos gezwungen,

Kehre sie wieder zurück

In das nasse Haus, in die öden Arme

Des greisen Gemahls.

Glaub mir's", setzte hinzu der Freund,Und lachte und seufzte und lachte wiederDie führen dort unten die zärtlichste Ehe!Entweder sie schlafen, oder sie zanken sich,

Daß hoch aufbraust hier oben das Meer,

Und der Schiffer im Wellengeräusch es hört,Wie der Alts sein Weib ausschilt:

Runde Metze des Weltalls!

Strahlenbuhlende!

Den ganzen Tag glühst du für andre,

Und nachts, für mich, bist du frostig und müde!""Nach solcher Gardinenpredigt,

Versteht sich! bricht dann aus in ThränenDie stolze Sonne und klagt ihr Elend,

Und klagt so jammerlang, daß der MeergottPlötzlich verzweiflungsvoll aus dem Bett springt,Und schnell nach der Meeresfläche heraufschwimmt.Um Luft und Besinnung zu schöpfen.

So sah ich ihn selbst verflossene NachtBis an die Brust dem Meer enttauchen.

Er trug eine Jacke von gelbem Flanell,

Und eine lilienweiße Schlafmütz',

Und ein abgewelktes Gesicht."

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