148 Die Nordsee.
5.
Poseidon.
Die Sonnenlichter spieltenÜber das weithinrollende Meer;
Fern auf der Reede glänzte das Schiff,
Das mich zur Heimat tragen sollte;
Aber es fehlte an gutem Fahrwind,
Und ich saß noch ruhig auf weißer DüneAm einsamen Strand.
Und ich las das Lied vom Odvsseus,
Das alte, das ewig junge Lied,
Aus dessen meerdurchrauschten BlätternMir freudig entgegenstiegDer Atem der Götter,
Und der leuchtende Menschenfrühling,
Und der blühende Himmel von Hellas.
Mein edles Herz begleitete treulichDen Sohn des Laertes, in Irrfahrt und Drangsal,Setzt' sich mit ihm, seelenbekümmert,
An gastliche Herde,
Wo Königinnen Purpur spinnen,
Und half ihm lügen und glücklich entrinnenAus Riesenhöhlen und Nymphenarmen,
Folgte ihm nach in kimmerische Nacht,
Und in Sturm und Schiffbruch,
Und duldet' mit ihm unsägliches Elend.
Seufzend sprach ich: Du böser Poseidon,
Dein Zorn ist furchtbar,
Und mir selber bangtOb der eignen Heimkehr.
Kaum sprach ich die Worte,
Da schäumte das Meer,
Und aus den weißen Wellen stiegDas schilfbekränzte Haupt des Meergotts,Und höhnisch rief er:
Fürchte dich nicht, Poetlein!
Ich will nicht im g'ringsten gefährden