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Buch der Lieder
Seite
146
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Die Nordsee.

4.

Die Nacht am Strande.

Sternlos und kalt ist die Nacht,

Es gärt das Meer;

Und über dem Meer, platt auf dem Bauch,

Liegt der ungestaltete Nordwind,

Und heimlich, mit ächzend gedämpfter Stimme,

Wie'n störriger Griesgram, der gut gelaunt wird,

Schwatzt er inS Wasser hinein,

Und erzählt viel tolle Geschichten,

Niesenmärchen, totschlaglaunig,

Uralte Sagen aus Norweg,

Und dazwischen, wcitschallend, lacht er und heult er

Beschwörunzslieder der Edda,

Auch Nunensprüche,

So dunkeltrotzig und zaubergewaltig,

Daß die weißen Mesrkinder

Hoch aufspringen und jauchzen,

Übermut-berauscht,

Derweilen, am flachen Gestade,

Über den flutbefeuchteten SandSchreitet ein Fremdling, mit einem Herzen,Das wilder noch als Wind und Wellen,

Wo er hintritt,

Sprühen Funken, und knistern die Muscheln;Und er hüllt sich fest in den grauen Mantel,Und schreitet rasch durch die wehende Nacht;Sicher geleitet vom kleinen Lichte,

Das lockend und lieblich schimmertAus einsamer Fischerhütte.

Vater und Bruder sind auf der See,Und mutterseelallsin blieb dortIn der Hütte die Fischertochter,

Die wunderschöne Fischertochter.

Am Herde sitzt sie,

Und horcht auf des WasserkesselsAhnungssüßes, heimliches Summen,