Ratcliff.
„Ach ja!" sprach sie gleichgültig laut und lachend,„Hab' einen Stock von Holz, der überzogenMit Leder ist, Gemahl sich nennt; doch HolzIst Holz!" Und klanglos widrig lachte sie,Daß kalte Angst durch meine Seele rann,Und Zweifel mich ergriff; — sind das die keuschen.Die blnmenkeuschen Lippen von Maria?
Sie aber hob sich in die Höh', nahm raschVom Stuhl den Kaschemir, warf ihnUm ihren Hals, hing sich an meinen Arm,Zog mich von hinnen durch die offne Hausthür,Und zog mich fort durch Feld nnd Busch und Au'.
Die glühend rote Sonnenscheibe schwebteSchon niedrig, und ihr Purpur überstrahlteDie Bäume und die Blumen und den Strom,Der in der Ferne majestätisch floß.
„Sehn Sie daS große goldne Auge schimmernIm blanen Wasser?" rief Maria hastig.
„Still, armes Wesen!" sprach ich und ich schauteIm Dämmerlicht ein märchenhaftes Weben.ES stiegen Nebelbilder aus den Feldern,Umschlangen sich mit weißen, weichen Armen;Die Veilchen sahn sich zärtlich an, sehnsüchtigZusammenbeugten sich die Lilienkelche;
Ans allen Rosen glühten Wollustgluten;Die Nelken wollten sich im Hauch entzünden;In sel'gen Düften schwelgten alle Blumen,Und alle weinten stille Wonnethränen,
Und alle jauchzten: Liebe! Liebe! Liebe!Die Schmetterlinge flatterten, die hellenGoldkäfer summten feine Elfenliedchen,Die Abendwinde flüsterten, es rauschtenDie Eichen, schmelzend sang die Nachtigall —Und zwischen all dein Flüstern, Rauschen, SingenSchwatzte mit blechern klanglos kalter StimmeDas welke Weib, das mir am Arme hing:„Ich kenn' Ihr nächtlich Treiben auf dem Schloß;Der lange Schatten ist ein guter Tropf,
Er nickt und winkt zu allem, was man will;