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Buch der Lieder
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122
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122 Die Heimkehr

War's ruhig, ruhig schüttelte ich ab

Den Staub von meinen Reisckleidern,

Grell klang die Klingel und die Thür ging auf.

Da waren Männer, Frauen, viel bekannteGesichter. Stiller Kummer lag auf allenUnd heimlich scheue Angst. Seltsam verstört,Mit Beileidsmienen fast, sahn sie mich an.

Daß es mir selber durch die Seele schauert'.Wie Ahnung eines unbekannten Unheils.

Die alte Margret Hab' ich gleich erkannt;

Ich sah sie forschend an, jedoch sie sprach nicht.Wo ist Maria?" fragt' ich, doch sie sprach nicht.

Griff leise meine Hand, und führte michDurch viele lange, leuchtende Gemächer,

Wo Prunk und Pracht und Totenstille herrschte,Und führt' mich endlich in ein dämmernd Zimmer,Und zeigt' mit abgewandtem AngesichtNach der Gestalt, die auf dem Sofa saß.

Sind Sie Maria?" fragt' ich. InnerlichErstaunt' ich selber ob der Festigkeit,

Womit ich sprach. Und steinern und metalllosScholl eine Stimm':So nennen mich die Leute".Ein schneidend Weh durchfröstelte mich da,

Denn jener hohle, kalte Ton war dochDie einst so süße Stimme von Maria!

Und jenes Weib im fahlen Lilakleid,

Nachlässig angezogen, Busen schlotternd,

Die Augen gläsern starr, die WangenmuskelnDes weißen Angesichtes lederschlaff --Ach, jenes Weib war doch die einst so schöne,Die blühend holde, liebliche Maria!

Sie waren lang' auf Reisen!" sprach sie laut,Mit kalt unheimlicher Vertraulichkeit.

Sie schaun nicht mehr so schmachtend, liebster Freund,Sie sind gesund, und pralle Lend' und WadeBezeugt Solidität." Ein süßlich LächelnUmzitterte den gelblich blassen Mund.

In der Verwirrung sprach's aus mir hervor:Man sagte mir, Sie haben sich vermählt?"