Druckschrift 
Buch der Lieder
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

I Die Heimkehr,

Vergebens lockst du mich, du schlimmer Gast.Ich habe dich durchschaut, ich Hab' durchschautDen Bau der Welt, und Hab' zu viel geschaui,Und viel zu tief, und hin ist alle Freude,

Und ew'ge Qualen zogen in mein Herz.

Ich schaue durch die steinern harten RindenDer Menschenhäuser und der Menschenherzen,Und schau in beiden Lug und Trug und Elend.Auf den Gesichtern les' ich die Gedanken,

Viel schlimme. In der Jungfrau SchamerrötenSeh' ich geheime Lust begehrlich zittern;

Auf dem begeistert stolzen JünglingshauptSeh' ich die lachend bunte Schellenkappe;Und Fratzenbilder nur und sieche SchattenSeh' ich auf dieser Erde, uud ich weiß nicht,

Ist sie ein Tollhaus oder Krankenhaus.

Ich sehe durch den Grund der alten Erde,

Als sei sie von Kristall, und seh' das Grausen,Das mit dein freud'gen Grüne zu bedeckenDer Mai vergeblich strebt. Ich seh' die Toten;Sie liegen unten in den schmalen Särgen,

Die Händ' gefaltet und die Augen offen,

Weiß das Gewand und weiß das Angesicht,Und durch die Lippen kriechen gelbe Würmer.

Ich seh', der Sohn setzt sich mit ssiner BuhleZur Kurzweil nieder auf des Vaters Grab ;Spottlieder singen rings die Nachtigallen;Die sanften Wiesenblümchen lachen hämisch;Der tote Vater regt sich in dem Grab;Und schmerzhaft zuckt die alte Mutter Erde.

Du arme Erde, deine Schmerzen kenn' tch!

Ich seh' die Glut in deinem Busen wühlen,

Und deine tausend Adern seh' ich bluten,lind seh', wie deine Wunde klaffend aufreißt,Und wild hervorströmt Flamm' und Rauch und Blut.Ich sehe deine trotz'gen Niesensöhne,

Uralte Brut, aus dunkeln Schlünden steigendUnd rote Fackeln in den Händen schwingend;Sie legen ihre Eisenleiter an