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Buch der Lieder
Seite
119
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Götterdämmerung.

88.

Sag, wo ist dein schönes Liebchen,Das du einst so schön besungen.Als die zaubermächt'gen FlammenWunderbar dein Herz durchdrungen?"

Jene Flammen sind erloschen.Und mein Herz ist kalt und trübe.Und dies Büchlein ist die UrneMit der Asche meiner Liebe.

Götterdämmerung.

Der Mai ist da mit seinen goldnen LichternUnd seidnen Lüften und gewürzten Düften,Und freundlich lockt er mit den weißen Blüten,Und grüßt aus tausend blauen Veilchenaugen,Und breitet aus den blumreich grünen Teppich,Durchwebt mit Sonnenschein und Morgentau.Und ruft herbei die lieben Menschenkinder.Das blöde Volk gehorcht dem ersten Ruf.Die Männer ziehn die Nankinghosen anUnd Sonntagsröck' mit goldnen Spiegelknöpfen,Die Frauen kleiden sich in Unschuldweiß;

Jünglinge kräuseln sich den Frühlingsschnurrbart;Jungfrauen lassen ihre Busen wallen;Die Stadtpoeten stecken in die TaschePapier und Bleistift und Lorgnett'; und jubelndZieht nach dem Thor die krausbewegts Schar,Und lagert draußen sich auf grünein Rasen,Bewunoert, wie die Bäume fleißig wachsen.

Spielt mit den bunten, zarten Blümelein,

Horcht auf den Sang der lust'gen Vögelein,Und jauchzt hinauf zum blauen Himmelszelt.

Zu niir kau? auch der Mai. Er klopfte dreimalAn meine Thür und rief: Ich bin der Mai,Du bleicher Träumer, komm, ich will dich küssen!Ich hielt verriegelt meine Thür, und rief: