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Buch der Lieder
Seite
50
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50 Junge Leide».

Und wie in eines Zauberspiegels GrundeSeh' ich das Bildnis meiner Liebsten wieder;

Sie sitzt am Arbeitstisch, im roten Mieder,Und Stille herrscht in ihrer sel'gen Runde.

Da plötzlich springt sie auf vom Stuhl, und schneidenVon ihrem Haupt die schönste aller Locken,

Und gibt sie mir, vor Freud' bin ich erschrocken.

Mephisto hat die Freude mir verleidet,

Er spann ein festes Seil von jenen Haaren,Und schleift mich dran herum seit vielen Jahren.

VI.

Als ich vor einem Jahr dich wiederblickte,

Küßtest du mich nicht in der Willkommstund'."So sprach ich, und der Liebsten roter MundDen schönsten Kuß auf meine Lippen drückte.

Und lächelnd süß ein Myrtenreis sie pflückteVom Myrtenstrauche, der am Fenster stund:

Nimm hin und pflanz dies Reis in frischen Grund,Und stell ein Glas darauf", sprach sie und nickte.Schon lang' ist's her. Es starb das Reis im Topf.Sie selbst Hab' ich seit Jahren nicht gesehn;

Doch brennt der Kuß mir immer noch im Kopf,

Und aus der Ferne trieb's mich jüngst zum Ort,Wo Liebchen wohnt. Vorm Hause blieb ich stehnDie ganze Nacht, ging erst am Morgen fort.

VII.

Hüt dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen,Doch schlimmer sind die sanften Engelsfrätzchen.Ein solches bot mir einst ein süßes Schmätzchen,

Doch wie ich kam, da fühlt' ich scharfe Tatzen.

Hüt dich, mein Freund, vor schwarzen, alten Katzen,Doch schlimmer sind die weißen, jungen Kätzchen;Ein solches macht' ich einst zu meinem Schätzchen,

Doch thät mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen.

O süßes Frätzchen, wundersüßes Mädchen!Wie konnte mich dein klares Auglein täuschen?Wie könnt' dein Pfötchen mir das Herz zerfleischen?