Jungk Lkidm,
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16.
An eine Slingerin/
Als sik eine alte Nonianze sang
Ich denke noch der Zaubervollen,
Wie sie zuerst mein Auge sah!
Wie ihre Töne lieblich klangenUnd heimlich süß ins Herze drangen.Entrollten Thränen meinen Wangen, —Ich wußte nicht, wie mir geschah.
Ein Traum war über mich gekommen:Mir war, als sei ich noch ein Kind,Und säße still beim LämpchenscheineIn Mutters frommein Kämmerleins,Und läse Märchen, wunderfeine,
Derweilen draußen Nacht und Wind.
Die Märchen fangen an zu leben,Die Ritter steigen aus der Gruft;Bei Ronzisual, da gibt's ein Streiten,Da kommt Herr Roland herzureiten.
Viel kühne Degen ihn begleiten,
Auch leider Ganelon, der Schuft.
Durch den wird Roland schlimm gebettet,Er schwimmt in Blut, und atmet kaum;Kaum mochte fern sein JogdhornzeichenDas Ohr des großen Karls erreichen,Da muß der Ritter schon erbleichen, —Und mit ihm stirbt zugleich mein Traum.
Das war ein lautverworrnes Schallen,Das mich aus meinen Träumen rief.Verklungen war jetzt die Legende,Die Leute schlugen in die HändeUnd riefen „Bravo!" ohne Ende;Die Sängerin verneigt sich tief.
' Das Gedicht war gerichtet an Karoline Stern, die jugendliche Prima-donna der Düsseldorfer Oper. Sie verkehrte viel im Hause von Heines Altern.(Max Heines Erinnerungen, S. 26—29.)