Druckschrift 
Buch der Lieder
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

Junge Leiden.

Seht erst zu, sind wir allein?

Narren waren wir im Leben,

Und mit toller Wut ergebenEiner tollen Liebesbrunst.

Kurzweil kann uns heut' nicht fehlen,

Jeder soll hier treu erzählen.

Was ihn weiland hergebracht.

Wie gehetzt,

Wie zerfetzt

Ihn die tolle Liebejagd.

Da hüpft aus dem Kreise, so leicht wie der Wind,Ein mageres Wesen, das summend beginnt:

Ich war ein SchneidergeselleMit Nadel und mit Scher';

Ich war so flink und schnelleMit Nadel und mit Scher';

Da kam die MeisterstochterMit Nadel und mit Scher';

Und hat mir ins Herz gestochenMit Nadel und mit Scher'.

Da lachten die Geister im lustigen Chor;Ein Zweiter trat still und ernst hervor:

Den Rinaldo Ninaldini,

Schinderhanno, Orlandini,

Und besonders Carlo MoorNahm ich mir als Muster vor.

Auch verliebt mit Ehr' zu meldenHab' ich mich wie jene Helden,

Und das schönste FrauenbildSpukte mir im Kopfe wild.

Und ich seufzte auch und girrte;

Und wenn Liebe mich verwirrte,

Steckt' ich meine Finger raschIn des reichen Nachbars Tasch'.

Doch der Gassenvogt nur grollte,

Daß ich Sehnsuchtsthränen wollte