Druckschrift 
5 (1843) Die Taufe
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

169

Rath verbot die Wiedertaufe und gebot die Kindertaufe. Bedenkli-cher hatte sich dieß Uebel i» der westlichen Schweiz, namentlich imGebiete und in der Umgegend von der Stadt St. Gallen, gezeigt.Laurenz Hochrütiner, ein St. Galler, der wegen der Bilder-stürmerei im November 1523 von Zürich verwiesen ward, streuteden Samen dazu aus. Sein Schüler Ulimann wollte, daß mannicht mehr in den Kirchen predige, weil daselbst nie die Wahrheitgcprediget worden, und keine daselbst möge gesagt werden. DieScktirer versammelten sich nun in Häusern und auf dem Felde,Predigten zu hören. Sie nannten sich nun die einzig wahre christ-liche Kirche, die, welche es nicht mit ihnen hielten, Heiden. ZuEnde März 1525 kam Grevel nach St. Gallen. Am Palmtagezog der Schwärmerhaufe mit ihm an die Sitter, von ihm die Taufezu empfangen; von da begab er sich auf die Wcberstube, zu predi-gen. Nach Trebel kamen Wiedertäufer von Zollikon und solche, diezu Zürich aus der Gefangenschaft entkommen waren. Der Umstand,daß Grevel Schwager von Badia» war, gab wohl den Grund,warum die Obrigkeit hier so lange verzog, gegen die Schwärmereieinzuschreiten. Die Tollheil erreichte hier das höchste Stadium. DieSchwärmer erzählten vor zahlreichen Versammlungen alle Thorhei-ten ihres Lebens, ja selbst begangene Verbrechen, weil geschriebenstehe:Bekenne Einer dem Andern seine Sünden." Andere ver-brannten Bibeln und Andachtsbücher, denn es heiße:Der Buch-stabe tödtet." Noch Andere 'tändelten mit Puppen, zogen Tann-zapfen, an einen Faden gebunden, auf dem Boden herum, weintenkindisch, und ließen mit Aepfeln sich wieder trösten, ja warfen amEnde mit ihren Kleidern alle Zucht und Scham von sich, um wiedie Kleinen zu werden, deren allein ja das Himmelreich sei. DerRath verbot nun alles Predigen außer den Kirchen, aber vergebens;er fand kein Gehör. Auch die wohlmeinenden Lehrer kämpften mitschwachem Erfolge von den Kanzel» herab für Wahrheit und Ver-nunft. Schon war die Zahl der Wiedergetauften auf 800 ange-wachsen, als Zwingst seine Schrift von der Taufe dem Ratheübersandte. In der St. Laurenzkirche sollte sie öffentlich vorgelesenwerden; da rief Ulimann von der Emporkirche herunter;Hör'auf; wir wollen Gottes, nicht Zwingli's Wort wissen." Als sieZwingst, Taufc. V. 8