Druckschrift 
Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
Entstehung
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

229

platzcs belegenen, mit Häusern von beiden Seiten besetztenhölzernen Brücke über den Fcstungsgrabcn die Benennungvon Jerusalems- oder Jcrusalcmerdrücke gege-ben hat, den Einwohnern der Fricdrichssiadt überwiesen, umihren Gottesdienst dort zu halten, und auf kurfürstlicheKosten, unter Leitung des Baumeisters Simonetti erweitert.In demselben Jahre 1689 erhielt die Domkirchc auf demSchloßplatze eine neue Kauzcl, und die alte Kanzel wurdeder neuen Kirche der Dorothecnsiadt, wo die französischenPrediger angewiesen wurden, wöchentlich einmal zu predi-gen. Sonst hielt die französische Gemeinde ihren Gottes-dienst auf dem Schlosse, bis Friedrich III- das ehemaligeRcithaus auf dem Werder im I. 1699, nach einer Zeich-nung Grünbcrgs, von Simonetti zu einem Kirchcngcbäude,jedoch ohne den Thurm, den der Baumeister auf feinemRisse angebracht hatte, einrichten ließ. Diese Kirche wurdedurch eine Scheidewand in zwei Theile gethcilt, eine Kirs-che bekam die evangelische deutsche Gemeinde, die andere,zunächst dem Platze am Zeughausc, die französische. Nc-ring, der schon früher das ehemalige Fürstenhaus (in derKursiraße No. 52 und 59), das schöne Haus des hoch-

t) Diese Brücke und der nahe dabei gelegene HauSvoigtciplatzwerden oft im gemeinen Leben Schinkc »brücke und Schinken-platz genannt. Es beruhet diese Benennung auf folgender Tradi-tion. König Friedriei, Wilhelm I. hatte ein berühmtes aus lautergroßen Soldaten bestehendes Grenadier-Regiment. Wenn sie dortnicht mehr brauchbar waren, fo wurden sie entweder als Bediente,vorzüglich als Heiducken am Hofe angestellt oder sie suchten sich einenBroderwerb, bei dessen Anlage sie der König öfters unterstützte. Einsolcher invalid gewordener großer Grenadier, ein Westphälinger vonGeburt, legte in einem an dieser Brücke gelegenen Hause einen Ma«terialwaarenhandel an, womit anch ein Fleischhandel von geräuchertenWaaren, namentlich von vorzüglichen westphalischen Schinken ver-bunden war. Er hatte einen großen Zulauf von Käufern und gabBrücke und Platz den Namen, und so hieß die Brücke wo die Schin-ken zu kaufen waren die Schinken brücke und der dabei gelegen«Hausvoigteiplatz im gemeinen Leben der Schinken platz.