Druckschrift 
Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170

antwortete derselbe, daß es nicht anginge, weil die Bürgermit der Feldarbeit beschäftiget waren. Neben der Pctri-kirchc war ein so gewaltiger Kehrichthaufen, daß er fastdie Passage hinderte, und der große Kurfürst konnte es um165V durch die schärfsten Befehle kaum erlangen, daß erweggebracht wurde. Wicdcrholcntlich führte der Haupt-mann auf dem Mühlcnhof Klage darüber, daß durch dasEinschütten des Kehrichts von der langen Brücke, das Ge-rönne der Mühlen seinen Lauf nicht haben könnte. Umden neuen Markt von dem eine Anhöhe bildenden Unrathzu säubern, wurde im I. 1671 die Verfügung erlassen,daß jeder Bauer der zu Markte käme, eine Fuhre Kothals Dünger zurücknehmen, und bei dem Hinfahren nachder Stadt einige Feldsteine mitbringen sollte, um dadurchdas Pflastern dieses Marktplatzes und der Umgegend zuerleichtern. Um die Kosten zu dieser Pflasterung zu bestrei-ten, wurde die Strafe von MV Thlr., welche ein Nadler,Namens Dietrich für ausgesioßene Gotteslästerungen be-zahlte, im I. 167V und den folgenden Jahren verwandt.Bei dieser Gelegenheit entstand wahrscheinlich der hoheSteinwcg; so nennt man die linke Seite der Jüdcn-siraße bis zum neuen Markt. Der Thurm der am neuenMarkt liegenden Marienkirche, welcher erst im I. 1657mi. einem neuen Knopfe versehen worden war, traf derBlitz am 13. Januar 1661, und er brannte bis zu einerbedeutenden Tiefe ab, wobei die Kirche selbst nur durch einkühnes Unternehmen vor der Wuth der Flammen geschütztward. Der rühmlichst bekannte kaiserliche und kurbrandcn-burgische Feldmarschall Otto von Sparrc ließ nämlich, alser die drohende Gefahr sah, ungesäumt Geschütz auffahren,und den brennenden Thurm eben so geschickt als glücklichniederschießen, wodurch das übrige Kirchengebäude gegendas weitere Ausbreiten der Flamme gesichert wurde. DerThurm strebte vom I. 1663 an unter Leitung des Hof-baumcisters Michael Mathias Schmids im raschen Baueneu empor, und am 9. Juli 1666 ward der Knopf auf-