60
Bürgerschaft vorher zu Rathe gezogen worden/ bleibt sehrzweifelhaft/ da aus der Geschichte anderer Städte bekanntist, daß in dieser Formel blos die Andeutung liegt, wiedie Repräsentation der Bürgerschaft durch den Rath in derArt geschehe, daß, wo dieser handelt, ein Handeln der Ge-santtnthcit der Bürger fingirt werde ^). — Im Privilegiumder Schlächter vom I. l>! l l werden 12 Rathmäuner mitihren Vor- und Zunamen erwähnt, wovon die beiden er-sten, Heinrich Udcn und Hans Wipeecht als gckornc Ol-dcrlüde (gewählte Alkcrmäuucr) oder die Vorsitzenden inder Versammlung der Rathmäuner erscheinen, woraus spä-terhin das Bürgermeisteramt entstanden ist 2).
Bei den vielen Fehden, worin die Landesherr» sowohlmit benachbarten Fürsten, als mit ihren Rittern und Va-sallen verwickelt waren, und bei der durch Verminderungihrer Einkünfte in Folge übertriebener Lehnsvcrthcilungcn,für sie oft entstehenden Geldverlegenheit, brauchten sie derStädte Hülfe an Mannschaft und Geld, und so wurdensie bald durch Dankbarkeit und besonderer Vorliebe, balddurch die Gewalt der Umstände veranlaßt, den städtischen
1) v. Lancizolle, Geschichte d'cS deutschen Städtcwefens, S. 23und 24.
2) Küster, Th. IV. S. 228. In dem Schenkungsbriefe desNitterS Grevclhout an das Hospital zum heil. Geist heißen auch diebeiden ältesten Rathmänner: Leinores in eoiisisiorio iunc oleoti(Küster, Th. II. S. 662.) und in den Urkunden über die Stifterdes AltarS S. Mauritii in der Marienkirche von 1326 (Küster, Th.S. 442.) werden 12 Rathmänner, und zwar die beiden ersten mitdem Zusätze: inaZisiri consnlnm in Lerlin, was Schmidt, collect,inoinnr. Lernlin. vec. III. p>. 2. Borgemestern in Berlin übersetzt.Nicolai, Beschreib, von Berlin, Th. I. S. 389. meint, von diesenRathmäunern wären 6 sür Berlin, 6 sür Köln gewesen, aber wirhaben oben gesehen, daß bedeutende Städte 12 Rathmänner hatten,auch werden diese bloß Rathmänner von Berlin genannt, hatte Kölnalso auch nicht 12, da es kleiner war als Berlin, so hat dasselbe dochwohl 8 oder 6 sür sich allein gehabt.