Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
498
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wurde von den sechs Hofpredigern zu Berlin abwechselndoft in dieser Kapelle gepredigt: unter der Regierung Frie-drich Wilhelm III., der es vorzog, öffentlich in Stadt- undLandkirchen mit der Gemeinde sich zu erbauen, hörte dießganz auf, und selbst wenn Er an Sonn- und Feiertagen inCharlottenburg war, besuchte Er die Stadtkirche und gabdamit den kirchcnscheuen lebens- und sonntagslustigen Charlot-tenburgern ein ermunterndes Beispiel zur Nachfolge. Dochsind in der Schloßkapelle auch mehrere Königliche» Kindergetaust und getrauet.

Die Königliche» Familienfeste, die bei solchen Gelegenhei-ten gegeben wurden, athmeten die heiterste Freude und ge-statteten die sreieste Bewegung. Denn obgleich der Königin Seiner hohen Gestalt und ernsten Stimmung imponirteund Ehrfurcht einflößte, so beengte doch Seine Gegenwartund Nahe nicht: mit der heiteren Gutmuthigkeit eineS wohl-wollenden Wirthes trat Er zu Seinen Gästen Hera», undan Seinen Tafeln war Allen, wie denen, die entfernt, alsdenen, die in Seiner Nähe Ihm gegenüber saßen, wohl. Eincigenthümlichcr Geist reiner Humanität ging mittheilend vonIhm aus, und in dieser reinen Atmosphäre athmete jedeBrust leicht. Wohl nie hat ein Herrscher gelebt, vor demdie Gefühle der Ehrfurcht und des Vertrauens sich so innigverschmolzen, als in Seinem Anschauen. Wahrlich, manwußte nicht, ob man ihn mehr ehren, oder mehr lieben sollte.

Dankbar erinnere ich mich dabei des schönen, heiterenVermählungs-Fcstes des Grafen von Stolbcrg-Stolbcrg mitder Gräfin» von Stolbcrg, das der König dem edlen Paarezu Ehren in Charlottenburg gab, und welches zu trauen ich