schen aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste. DieseKunstmittel reizen allerdings; aber sie erschlaffen auch, undverlieren, oft wiederholt, ihre Wirkung. Die dann eintre-tende Erschlaffung macht satt, matt und. müde; und darinhat es seinen Grund, warum reiche und mächtige Menschen,die, wie man sagt, dem Glücke im Schöße sitzen, so seltenin sich wahrhast glücklich sind.
Auch das reichste Leben ist doch arm an außerordent-lichen, seltenen, kostbaren und köstlichen Genüssen, und dieEinförmigkeit des täglich Wiederkehrenden schließt sich an je-des Menschen Leben, in Hütten, wie in Pallästen, in Werk-stätten, wie auf Thronen an. Dem verwöhnten, gereizten,eklen, wählenden, probircndcn, unruhigen Sinne wird dieseEinförmigkeit langweilige Qual; dem einfachen, unverdor-benen, naturgemäßen bereitet sie in ihrer Stetigkeit, Ruheund Sicherheit, gerade die süßeste Freude und gicbt in ihremharmonischen Tacte dem ganzen Tage in der festen geregel-ten Reihenfolge seiner planmäßig vcrtheilten Stunden eineneigcnthümlichen, stillen Reiz. Dieser stille Reiz liegt mehr imKleinen, Alltäglichen und Gewöhnlichen, als in dem Selte-nen und Außerordentlichen. Wenn dieses spannt, aufregt,exaltirt, so schließt jenes sanst, stille, leise, sich an das Gcmüthund gicbt ihm die Erquickungcn eines heiteren äußeren undinneren Friedens. Da ist es das Morgen- und Abendrothund eine hehre Sternennacht; da ist es die immer frischeLust an Berufsarbeiten; da ist es das nicht ausgesprochene,aber tief empfundene selige Einverständniß mit den Unsrigcn:da ist es das klare, reine, offene Angesicht eines edlen Men-schen, die fröhliche Unschuld eines Kindes: da ist es eineschöne Blume, eine reife Frucht, eine heimkehrende Heerde,