Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
477
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Silbenstecher und Wortspießer, die den Menschen anatomirenund den Menschen in seiner Ganzheit nicht aufzufassen wis-sen.An den Fruchten sollt ihr sie erkennen!" sagt die Bibel.Wessen Leben war aber reicher an Früchten der Weisheit,der Tapferkeit, der Gerechtigkeit, der ernsten Pflichtliebc, alsdas Leben Friedrichs? Können solche Früchte wachsen undreisen in einem christlichen Lande ohne Einfluß des Christen-thums? Man muß nur nicht bei dem tobten Buchstabendesselben stehen bleiben, sondern den lebendigen Geist dcssclden in sich aufnehmen."

Der König sprach mit hinreißender Beredtsamkeit. Ent-zückt sahen wir uns an und Keiner wagte es, den vollenStrom Seiner Rede zu unterbrechen. Dann fuhr Er fort:Den oft ausgesprochenen Grundsatz Friedrichs:Ein Jederkann in meinem Lande nach seiner Fayon selig werden," kannich nicht unbedingt gut heißen. Nimmt man ihn individuellin der Anwendung auf einzeln vorkommende subjective Fälleund Personen, so hat er valle Wahrheit und muß stets auf-recht erhalten werden. Kein Mensch, kein Herrscher hat dasRecht, einem Anderen vorzuschreiben, was er glauben soll:der Glaube läßt sich nicht gebieten, er ist der frcieste Act desfreien GeistcS. Der Eine faßt ihn, nach der Beschaffenheit,Mischung und Richtung seiner Fähigkeiten, mit dem Ver-stände, der Andere mit dem Herzen aus und seine Stufenund Bildungsgrade sind so mannigfaltig und verschieden, alsdie Menschen verschieden sind. Eine vollkommene Uebcrein-stimmung hier ist ein Unding. Wollte man sie durch aufge-stellte Formen äußerlich erzwingen, so wäre'dieser äußereZwang doch nur ein todter Buchstabe, der sogar Widerwillenund Abneigung erzeugen würde, da der Geist des Menschen,