Es ist wahr, Friedrich hat überall als Herrscher mitfester Eonsequenz, oft, wo es ihm nöthig schien, mit durch-greifender Härte gehandelt. Aber in seinem Hause war er,seiner natürlichen Gemüthsstimmung treu, am Liebsten mildeund schonend, so oft und so lange er es sein konnte, undwohl nie hat ein regierender Herr Diener gehabt, die mitgrößerer Treue und Liebe an ihm hingen', als eben er.
,.Derselbe Kammerdiener Heise theilte mir," fuhr ichdann fort, „darüber einen rührenden Zug mit." „Als ich," soerzählte er, „in der letzten Nacht beim sterbenden Könige anseinem Bette wachte, forderte er, wie aus tiefen Träumenerwachend, zu trinken. Friedrich war so schwach, daß ersich nicht mehr allein aufrichten konnte. Mit meinem rech-ten Arme hob ich ihn, unter das Kopskissen fassend, sanstin die- Höhe, und mit der linken Hand hielt ich ihm dasGlas Limonade vor. Aber sein Haupt sank auf meinenlinken Arm, und ohnmächtig schlief er, ohne trinken zu kön-nen, wieder ein. Meine Stellung war höchst unbequem, undich durfte nicht zucken, damit der liebe Herr nicht aufwachte.Eine halbe Stunde mochte ich so ausgehalten haben, als ichnicht länger konnte, meinen rechten Arm zurückziehen undden König wieder hinlegen mußte. Er kam wieder zu sichund sagte: „Heise, Du wolltest mir ja zu trinken geben!",,Ja, Ew. Majestät: aber indem ich Sie mit meinem rechtenArme in die Höhe richtete, sind Sie aus meinem linken,das Glas vor dem Munde, wieder eingeschlafen." „Wie langehat das gedauert?" „Wohl eine halbe Stunde." „ArmerJunge, da hast Du einen bösen Stand gehabt. Wie hastDu das so lange ausgehalten? ich danke Dir."