erfüllte seine Seele mit Widerwillen und Erbitterung undumschloß den gesunden Kern seines Innern mit eineräußeren horten, stechenden Schale, die späterhinViele verletzt und verwundet hat."
„Aber der Lebensfern blieb in ihm gesund ; freilich nichtgenährt mit den Einflüssen, wie die Form der damaligenKirchlichkeit sie vorschrieb, aber doch stets angcsrischt und be-lebt von dem ernsten,' tiefen Sinne für menschliche und gött-liche Gesetze. Man kann in Wahrheit sagen: er war in Er-füllung seiner Pflichten praktisch-religiöser, als er es schien.Sophistisch-theoretische Atheisten mag es gegeben habenund geben; aber ein praktischer Atheist ist mir undenkbar.Der verständige Mensch kann dem Glauben an Gott ebenso wenig entsagen, als sich dem Einflüsse der Lust entziehen,wenn er gesund bleiben will."
Der König schien sich aus Etwas zu besinnen und fuhrdann fort: „Ja, da fällt mir's ein. Ihr Amtsvorgä'ngcr, derHofprcdiger Pischon, stellte mir vor mehreren Jahren einenGeistlichen aus Zerbst vor, mit Namen Sintcnis. Er über-reichte ein mir dcdicirtes Buch, das den Titel hatte: Pistevon.Als ich nach der mir unbekannten Bedeutung fragte, ant-wortete der gelehrte Herr: „Ich habe in diesem Buche dasDasein Gottes zu beweisen gesucht." „Haben Sie," mußte icherwiedcrn, „auch schon versucht, das Dasein der Sonne zubeweisen, die eben herrlich in's Fenster schien."
„Freilich hat sich Friedrich manche Spöttereien über dasHeiligste, was der Mensch hat, erlaubt, und diese sarkastischenVerhöhnungen sind leider in's Publicum gekommen. Aber