Mediocre erheben und für die in Rede stehende Größe einAuge haben. Sie muß nicht in einzelnen abgerissenen Stük-ken, Anekdoten, fragmentarischen Aeußerungen, sondern inihrer Totalität aufgefaßt und das Ganze muß zusammen-gehalten werden. Wie schwer ist das schon bei gewöhnlichenMenschen: ungewöhnliche, außerordentliche haben von jeheretwas Räthselssaftes gehabt und sind darum mehr oder minderverkannt worden, bis die ruhig richtende Nachwelt ihnen Ge-rechtigkeit widerfahren ließ. Wo ist der Mensch, mit eigenenIrrthümern und Fehlern behaftet, der über den wahren innernWerth des Andern sich ein absprechendes Urthcil erlaubendürste? Kennen wir uns doch selbst nicht! Und was istzarter, geistiger, was zieht sich mehr in die geheimnißvollcTiefe der Brust zurück, als das Religiöse mit seinen Ahnuw-gen und Schrecken? Da ist es oft am Wenigsten, wo dievoluble Zunge am Meisten darüber spricht, und da oft amMeisten, wo sie schweigt."
Als der König, zum Himmel ausblickend, zu sprechenaufhörte und ich reden wollte, siel Er ein: „Ich bin nochlange nicht fertig, Sie haben mich einmal in den Zug ge-bracht, nun will ich mich auch ganz aussprechen. Wenn einklarer, denkender Verstand, wenn ein sensibles Herz, wennSinn für das Erhabene, wenn Achtung für Gesetz und Orbnung die Eigenschaften sind, die für Religion, namentlich diechristliche, als die beste, befähigen: wer hatte dann mehr an-geborene Anlagen für das Heilige und Höchste, als-eben er?Aber statt sie zu wecken und auf eine seiner Eigenthümlichkeitangemessene Weise zu entwickeln und mit seinen übrigenStudien in Verbindung zu bringen, in welchensein Geist sich in raschen Fortschritten leicht und glücklich bc-