Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
452
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König sah mich mit einem sirirenden ernsten Blick an,nahm dann das Wart und sprach:Was Sie da sagen,habe ich ost gehört und gelesen: ist aber irrig, so sehr esauch äußerlich den Schein der Wahrheit haben mag. Manmuß nur die große Verschiedenheit der Zeit bedenken, damalsund jetzt, und darf in der Bcurtheilung nicht denselbenMaßstab anlegen. Was damals in der Individualitätdes großen Mannes ihm und der Ordnung gemäß war,würde freilich jetzt unpassend sein und nicht mehr gehen.Andere Zeiten, andere Sitten! Damals war Alles compac-ter, derber, dreister: wir sind artiger, feiner, geschmeidiger ge-worden, ob im Grunde besser, ohne Falschheit und Gleißne-rei, will ich nicht untersuchen; und wer und wo ist derMensch, der es sich herausnehmen dürste, dicß richtig abzuwägen? Wie jeder Mensch, so hat auch jede Zeit, in selt-samer Mischung, Gutes und Böses, Licht und Schatten, oftdiesen, um jenes zu heben. Die miserable Schmeichelei elender,hündischer Speichellecker, die in Friedrich II. nur Vollkomm-ncs und keine Schwächen sehen, ist mir in der Seele zuwider, so wie denn alles unbegrenzte Loben und Preisen immereine geistige Leerheit und Flachheit bezeichnet. Die Jugend,die noch wenig gesehen und erlebt hat, mag sich wundernund bewundern, weil alles Ungewöhnliche ihr als ein Wun-der erscheint: dem ernsten, gesetzten Manne,, der Geschichte stu-dirt und den Erfahrung gereist hat, geziemt Mäßigung undMaßhalten. Jede Schmeichelei macht mir ihren Sprechervon vorne herein verdächtig. Es fehlt da immer entwederan Klarheit der Erkenntniß, oder an Reinheit des Herzens,oft an beiden."

Indem der König, stille stehend, dieß sagte, trat Er, wie