Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
449
Einzelbild herunterladen
 

449

sammeln und den Ucberrest der Kuchen und Früchte vonder Königlichen Tafel zu empfangen. Diese kleinen will-kommenen Geschenke reichten ihnen der König und die Kö-niginn und die Königlichen Kinder gewöhnlich selbst, undFreude jauchzend eilten sie damit z» ihren Eltern.

Einst fragte' der König einen hübschen Baucrknabenmit frischem, offenen Angesicht: ob er schon mal Ananasgegessen hätte? Auf die verneinende Antwort reichte ihmder König eine Scheibe, mit den Worten:Nun, mitBedacht." Man will behaupten, die Ananas schmecke wiemehrere Früchte zusammen und habe einen Beigeschmack vonfast allen Obstsorten.Sage mir, was schmeckst du heraus?"Und der Knabe, vergnügt essend, antwortete, das ihm Besteund Dclicateste nennend:Herr König, sie schmeckt mirwie Wurst." Alles lachte laut auf; der König aber, mildelächelnd, wie Er pflegte, bemerkte:So trägt Jeder seinen ei-genthümlichen Maßstab, nachdem er denkt und fühlt und ur-theilt, persönlich in sich, und Jeder glaubt daran Recht zuhaben. Der Eine schmeckt in der Ananas die Melone, einAnderer die Birne, ein Dritter die Pflaume: der Knabe dafindet darin, in seinem Gefühlskreise, sein Lieblingsgericht, dieWurst:" und zurücktretend in den Speisesaal und vor einFenster von vielfarbigem Glase sich hinstellend, fuhr Er tref-fend fort:Wer die Gegenstände draußen durch diese vio-lett-farbige Scheibe anschauet, hält Alles, was er sieht, fürviolett gestaltet: so der Andere, der durch ein grünes Glasschauet, Alles für grün; und wieder ein Dritter für gelb,und so weiter. Jeder behauptet, Recht zu haben: und dochhaben Alle Unrecht und des Widcrsprechens und Disputircnsist kein Ende. So geht's (mich gutmüthig, jedoch mit ei-