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Der Zartsinn des Königs hatte, wenn Er überraschenund dadurch um so mehr erfreuen wollte, etwas Prämeditir-tes und Verschlossenes, so daß Keiner ahmte, was Er vor-hatte. Ja, Er wußte die Sache so zu stellen, daß es schien,als sei Er abgeneigt, dieß oder jenes, was wohl gewünscht,erwartet und erbeten wurde, zu gewahren. Er dcclinirtcdann gewöhnlich mit lakonischem Scherz, und setzte hinzu:„Wird nicht gut angehen!" Alles kam Ihm dabei auf denrechten, passenden, besten Augenblick an, den Er abwartete,bis er da war; Er wußte, daß dann die Gewährung umso schöner und die Freude des Empfängers um so innigerund größer sei.
Von vielen Beispielen dieser Art will ich nur Eins derinteressantesten, die Universität Halle und ihren damaligenKanzler A. H. Niemcyer betreffend, anführen.
Nicmcyer war dem Könige längst persönlich bekannt undwerth, schon von der Zeit her, wo Er in Halle, bei einerDurchreise mit der Königinn, bei ihm eingekehrt war und dasWaisenhaus und das Pädagogium besucht hatte. Zum Be-weise Seines großen Vertrauens hatte Er ihn zum WirklichenOber-Consistorial- und Schulrath, mit Sitz und Stimme imMinisterium der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten,ernannt. Bei Berathung wichtiger Angelegenheiten wurde erjedesmal besonders eingeladen und der König legte auf seinGutachten großen Werth.
Als in dem unglücklichen Jahre I8W auch Halle eineBeute des mächtigen Siegers wurde, erhielt Niemeyer einenehrenvollen Ruf als Ober-Consistorialrath nach Berlin, und